Kommentar

Aufwachen, Herr Bundesanwalt!

Die vom Bund verbürgte Hochseeflotte hat nicht nur finanzielle Probleme. Im letzten Jahr waren zwei ihrer Schiffe gleich in drei Unfälle verwickelt. (Symbolbild)

Die vom Bund verbürgte Hochseeflotte hat nicht nur finanzielle Probleme. Im letzten Jahr waren zwei ihrer Schiffe gleich in drei Unfälle verwickelt. (Symbolbild)

Es ist zwei Jahre her. Im Juni 2016 reichte Michel Huissoud, Chef der eidgenössischen Finanzkontrolle, Strafanzeige direkt bei Bundesanwalt Michael Lauber ein. Wegen Verdachts auf Betrug rund um Bürgschaften bei Schweizer Hochseeschiffen. Die Bundesanwaltschaft gab der Anzeige keine Folge: Angeblich kein hinreichender Tatverdacht.

Ein gutes Jahr später, im August 2017, doppelte Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann mit weiteren Unterlagen nach. Er reichte Strafanzeige gegen die gleichen zwei Personen ein: Gegen Reeder Hansjürg Grunder und den einst für Bürgschaftsvergaben zuständigen Chefbeamten Michael Eichmann. Es geht um Vorwürfe wie Leistungsbetrug, Bestechung, ungetreue Amtsführung.

Jetzt, wieder ein Jahr später, wurde Eichmann von Laubers Truppe noch nicht einmal befragt. Und der Teil, der Grunder betrifft, wurde an den Kanton Bern delegiert. Immerhin scheint dieser seine Aufgabe ernst zu nehmen. Aber Politiker in Bern fragen sich zu Recht, welche Prioritäten der Bundesanwalt setzt. Als es um die international beachtete Fifa-Affäre ging, war er rasch zur Stelle, obwohl die Zürcher Staatsanwaltschaft dies mindestens so gut hätte machen können. Aber warum bleibt Lauber in einem Fall, der die Steuerzahler 200 Millionen kostete, derart passiv?

Hoffentlich wacht Lauber auf, bevor alles verjährt ist. Gerade einen innenpolitisch brisanten Fall wie die Flotten- Affäre müsste er energisch untersuchen. Auch die Beschuldigten haben das Recht, dass rasch geklärt wird, ob die Vorwürfe stichhaltig sind.

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