Auch in der Sackgasse machte Didier Burkhalter nicht rechtsumkehrt: Der Aussenminister hielt bis zum Schluss an einem Rahmenabkommen mit der EU fest, obwohl selbst ihm längst hätte klar sein müssen, dass sich hiermit weder bei den Schweizer Parteien noch beim Stimmvolk ein Blumentopf gewinnen lässt.

Nun übernimmt Ignazio Cassis – und es ist zu hoffen, dass er das Volk besser spürt. Vor der Wahl hatte der Tessiner erklärt, in der Europafrage den «Reset»-Knopf zu drücken. Zu erwarten aber ist, dass er den Kurs des Gesamtbundesrates weiterführt, den dieser – trotz Burkhalters Interessensbekundungen Richtung Brüssel – im Kern seit zehn Jahren verfolgt: Auch Cassis wird auf Zeit spielen und gegenüber der EU so unkonkret bleiben wie möglich. Die Strategie ist erfolgversprechend. Denn der Abschluss eines Rahmenabkommens geniesst in Brüssel seit Beginn der Brexit-Verhandlungen keine Priorität mehr. Es ist zwar nachvollziehbar, dass man sich in der EU-Zentrale daran stört, dass Bern als Trittbrettfahrer vom Binnenmarkt profitiert, ohne rechtliche Zugeständnisse zu machen. Doch an anderem stört man sich in der EU derzeit bedeutend mehr.

Auch innenpolitisch besteht wenig Druck: Solange die bilateralen Verträge nicht ernsthaft gefährdet sind, pocht niemand darauf, die Beziehungen auf ein solideres Fundament zu stellen. Diese Unsicherheit macht sich SVP-Altmeister Christoph Blocher zunutze, der seine Medienmacht ausbauen will und gegenwärtig mit seinen EWR-Erinnerungen die Säle des Landes füllt. Na und? Lasst ihn reden.