Kolumne

Auf Pfählen gebaut

Das Wasser, auf dem Venedig gebaut ist, wird die Stadt irgendwann verschlucken.

Venedig wird untergehen. Das ist nicht wirklich neu und auch nicht überraschend. Schliesslich ist die Lagunenstadt auf Pfählen gebaut. Die Kirche Santa Maria della Salute etwa steht auf rund 1,1 Millionen Baumstämmen. Seit ihrer Errichtung trotzt die Stadt den Gezeiten.

Doch sie wird es nicht ewig tun. Das Wasser, welches die Stadt reich, mächtig und weltbekannt gemacht hat, wird Venedig irgendwann verschlucken.

Der Meeresspiegel steigt, die Stadt sinkt. Klimaforscher rechnen vor, dass wir für jedes Grad, um das sich die Erde erwärmt, einen Anstieg des Meeresspiegels um etwa zweieinhalb Meter erleben. Das passiert zwar sehr langsam – es heisst aber auch: Langfristig wird Venedig unter dem Spiegel der Weltmeere liegen.

Die Stadt steht einfach am falschen Ort. Oder am genau richtigen, wenn man es etwas zynisch und aus touristischer Perspektive sieht. 30 Millionen Besucher pro Jahr bestaunen den langsamen Untergang Venedigs. Dafür fliegen sie um den halben Globus oder kreuzen auf riesigen Kreuzfahrtschiffen vor der Stadt auf, um dann zumindest fotografisch festzuhalten, was sie zerstören.

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Autor

Katja Fischer De Santi

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