Es gilt nicht nur für Rentner: Autofahren ist eine emotionale Angelegenheit – und die Frage, ab welchem Alter die Fahrtauglichkeit medizinisch geprüft werden soll, ist es ebenso. Niemand mag es, in seiner Eigenverantwortung eingeschränkt zu werden.

Gleichzeitig hat die Öffentlichkeit ein elementares Interesse daran, dass sich auf der Strasse nur fahrtüchtige Teilnehmer bewegen.

Wo soll also die Grenze gezogen werden? Klar ist: Wo auch immer sie liegt, sie ist willkürlich. Zu Recht darf man sich fragen, ob es wirklich so schlimm ist, wenn ältere Menschen beim Arzt ein paar Turnübungen und einen Sehtest absolvieren müssen.

Dennoch bestreitet kaum jemand, dass heutige Senioren bedeutend fitter sind als noch vor Jahrzehnten. In diesem Sinn ist der vom Nationalrat gestern erneut bekräftigte Entscheid, das Kontrollalter an die medizinische Realität anzugleichen, verständlich.

Die Interessengruppen der älteren Mitbürger wollen den Rückenwind nun ausnutzen, um weitere ihrer Forderungen durchzusetzen. Das ist ihnen nicht zu verübeln. Grundsätzlich erhält man aber nicht den Eindruck, dass das Bundesparlament auf seinem betagten Auge blind ist.

Die spezifischen Anliegen von Senioren finden in der Gesetzgebung sehr wohl Niederschlag – nicht zuletzt, weil ältere Personen zu den aktivsten Wählern gehören. Sie haben eine stärkere Lobby als die Jungen oder die Frauen, wie beispielsweise die eben verabschiedete Altersreform zeigt. Zwar kann man es letztlich nie allen recht machen.

Ziel muss aber sein, bei den Regeln des Zusammenlebens den grösstmöglichen Nenner der Gesellschaft abzubilden.