Pierre Maudet ist im «Blick» jede zweite Woche die «Stimme aus Genf». Auch jetzt noch, nachdem der Genfer Regierungsrat im Netz der eigenen Staatsanwaltschaft zappelt – sie wirft ihm Vorteilsnahme vor. Es gibt Menschen, die sich darüber mokieren, dass sich Maudet weiterhin journalistisch austoben kann. Ich aber finde: Das ist gut so. Denn Maudet bringt mit seiner Kolumne Licht in die dunkle Affäre. Am Mittwoch schrieb er unter dem Titel «In vino veritas», wie sehr er sich auf die Weinfeste in Genf freue, dass der Wein für authentische Worte stehe. «Der Wein lockert die Zunge und bringt die Menschen zusammen. Mit dem Wein landen wir garantiert bei der Wahrheit.»

Jetzt wird vieles klar: Wahrscheinlich hat Maudet mindestens die letzten zwei Jahre – er war in dieser Zeit im Bundesrats-Wahlkampf involviert – abstinent gelebt. Darum freut er sich jetzt ganz besonders auf die Weinfeste. Und darum hat er zwei Jahre lang die Öffentlichkeit angelogen, als es um seine Reise nach Abu Dhabi ging, die von einem Scheich bezahlt wurde. Aber nun glauben wir auch seinen Beteuerungen, dass es bei seiner Reise nach Abu Dhabi einzig darum ging, Beziehungen für Genf zu knüpfen. Logisch. Abu Dhabi ist der ultimative Absatzmarkt für Genfer Wein. Doch eine Frage bleibt: Wie viele Gläser hatte Maudet intus, als er die Kolumne schrieb?