Apropos

Auf ein Neues im neuen Jahr

Alle Jahre dasselbe: Kaum ist ausgefeiert, holt uns das schlechte Gewissen ein. Von den guten Vorsätzen, die man sich zum neuen Jahr gefasst hat, ist schon nichts mehr übrig. Das Altglas wurde natürlich nicht prompt entsorgt, es türmt sich in einer Abstellkammer zum Mahnmal für die Feiern der letzten Tage auf. Das Dasein als Nichtraucher dauerte kaum länger als der Silvesterkater. Und, darauf lässt sich wetten: Spätestens nächste Woche gehts schon wieder zum ersten Feierabendbier statt ins Fitnessstudio.

Der Mensch ist schwach, das kennen wir. Erwähnt sei es hier, weil sich eine Unsitte eingebürgert hat: Der klügste Neujahrsvorsatz, so hört man zum jährlichen Lamento immer mal wieder, sei gleich ganz auf gute Vorsätze für das neue Jahr zu verzichten. Das ist Unsinn.

Scheitern ist der Zwilling des Erfolgs. Passend auch eine andere Binsenweisheit: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wo kämen wir hin, wenn wir uns nichts mehr vornehmen würden? Es wäre eine armselige Welt. Wurde Rom an einem Tag erbaut? Na also. Darum Hut ab vor allen, die an der Tradition der guten Vorsätze festhalten und sich der absehbaren Niederlage mit einem beherzten «auf ein Neues» stellen.

Natürlich sollte man sich nicht allzu sehr übernehmen und auf dem Boden der Realität bleiben. Ein anständiger Beitrag zum Weltfrieden zum Beispiel tuts auch, es muss nicht gleich das Fitnessstudio sein.

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Autor

Urs Moser

Urs Moser

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