Liest man den deutschenHaftbefehl gegen den angeblichen Schweizer Spion , dann bleibt aus Schweizer Sicht im Grunde nur eine Hoffnung: Dass das alles nicht stimmt, was da steht.

So soll Daniel M. noch bis «mindestens» Ende 2015 für den Schweizer Nachrichtendienst in Deutschland aktiv gewesen sein. Man stelle sich vor: 2014 hat sich die Schweiz zum Automatischen Informationsaustausch bekannt und damit Abschied vom Geschäft mit den Steuersündern genommen. Der Krieg ist also vorbei, sollte man meinen.

Aber nicht für unseren Nachrichtendienst, er lässt weiter gegenspionieren. Durch einen freien Mitarbeiter in einem befreundeten Land einen Maulwurf installieren. Wozu, weshalb, mit welchem Recht, zu welchem politischen Preis? Die Deutschen können das nur so interpretieren, dass Schweizer Banken noch immer etwas zu verstecken haben.

Wenn es gar stimmen sollte, dass es den Maulwurf gar nicht gab, der NDB aber dafür bezahlte, dann macht er sich und die Schweiz zum Gespött. Dann liessen sich Direktor Markus Seiler und Co. von einem Hochstapler an der Nase herumführen. Besonders verwunderlich wäre das leider nicht. Es ist noch nicht lange her, dass ein NDB-Mann sämtliche Betriebsgeheimnisse auf Disketten kopierte und aus dem Haus spazierte.

Aber dann bliebe nur die Einsicht: Die Schlapphüte sind hoffnungslos überfordert. Auf die Chefetage gehören neue Leute.