Besitzer eines Smartphones könnten auf die Hälfte des Hausrates verzichten. Ein analoger Wecker ist überflüssig. Der Plattenspieler ist nur ein Staubfänger, denn Musik gibts über den Streamingdienst. Der Kalender an der Wand ist mindestens drei Jahre alt, Termine werden da auch nicht mehr eingetragen. Fotos klebt man nicht mehr ins Fotobuch, sondern räumt sie säuberlich in einem digitalen Ordner auf der Computer-Festplatte weg.

Obschon einige der Gegenstände nicht wirklich notwendig sind, verzichten die Wenigsten von uns darauf. Wie kahl und unwohnlich die Wohnung ohne sie doch wäre. Wir besitzen also Gegenstände, weil sie uns Halt geben. Sie haben über Jahre hinweg Bestand bewiesen. Und sind damit zu treuen Wegbegleitern geworden. Genau dieses Bedürfnis nach einer Verbindung zu Früherem steckt hinter dem Nischengeschäft mit der Nostalgie.

Jeder Trend hat also seinen Gegentrend. Die Digitalisierung und die damit verbundene Geschwindigkeit können überfordern und verunsichern. Die Rückbesinnung auf Sachwerte ist vielleicht auch ein verzweifelter Versuch der Entschleunigung. Es ist schön, dem Knistern zu lauschen, wenn die Nadel in die Plattenrille einsetzt. Es ist schön, einen Kalender mit Fotos vom letzten Urlaub an die Wand zu hängen. Doch ob Nostalgie die Geschwindigkeit tatsächlich bremst, steht auf einem anderen Blatt geschrieben – immerhin mit echter Tinte.