Pensionierung

Auch Tabus neu denken

Nicht alle Pensionerte kehren der Berufswelt freiwillig den Rücken. (Symbolbild)

Nicht alle Pensionerte kehren der Berufswelt freiwillig den Rücken. (Symbolbild)

Die Pensionierung abschaffen und Anreize setzen, die das Arbeiten über 65 belohnen: Das hat Wirtschaftsführer Walter Kielholz vorgeschlagen. Der Kommentar.

In zwei Wochen wissen wir, ob das Reformprojekt Altersvorsorge 2020 bei Volk und Ständen eine Mehrheit gefunden hat. Wie auch immer das derzeit sehr enge Rennen ausgehen wird: Es ist klar, dass danach bald schon die nächste Reform unseres Rentensystems anstehen wird. Darum ist zu begrüssen, wenn sich Politiker, Wirtschaftsführer und Wissenschafter Gedanken dazu machen, wie die Vor- sorge bei weiter steigender Lebenserwartung gesichert werden kann.

Die Pensionierung abschaffen und Anreize setzen, die das Arbeiten über 65 hinaus nicht bestrafen, sondern belohnen: Diesen Vorschlag hat Wirtschaftsführer Walter Kielholz lanciert. Damit wäre das umstrittene Rentenalter 67 vom Tisch, sagt der Verwaltungsratspräsident des Rückversicherers Swiss Re. Mit 65 würden ältere Mitarbeitende nicht mehr automatisch in die Pension geschickt, stattdessen müssten die Arbeitgeber die Situation jedes einzelnen Mitarbeiters mit diesem individuell beurteilen. Was älteren Arbeitnehmern ja nur recht sein kann.

Kielholz’ Ansatz gibt in Bundesbern sowie bei Arbeitgebern und -nehmern zu reden. Kein etablierter Politiker hätte den Mut, einen derart radikalen An- satz vorzuschlagen. Dass dies ein Wirtschaftsführer tut, ist erfrischend. Zumal sich Unternehmer in jüngerer Vergangenheit immer seltener aus der Deckung gewagt und in der Öffentlichkeit ihre Forderungen – ja gar unpopuläre, selbstkritische Ansätze – vertreten haben.

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