Bald sind wieder Abschlussprüfungen an Berufs-, Kantons- und anderen Schulen. Hunderte von Köpfen werden sich über die Pulte beugen und zeigen, was sie können. Zum Beispiel Deutsch. Doch gerade dieser Generation wird oft vorgeworfen, sie trage zum Verfall der Sprache bei. Wie wenn die deutsche Sprache ein Haus in Süditalien wäre, das im Laufe der Zeit vor sich hinbröckelt, bis nur noch eine Ruine übrig ist. Die Jungen können kein Deutsch mehr, sie verzichten auf Präpositionen (gömmer Migros), verwenden Emojis statt Wörter und überhaupt, heisst es. 

Linguisten reden lieber vom Sprachwandel statt vom Sprachzerfall. Die Sprache ist kein starres Gebilde. Und die viel wichtigere Erkenntnis: Wir sind alle schuld am sogenannten Sprachzerfall. Nicht nur die unflätigen Teenager. Alle, die Sprache brauchen, verändern sie. Früher waren französische Ausdrücke chic, heute sind es die Anglizismen. Wörter verändern ihre Bedeutung oder verlieren sie ganz. Was heisst das Brom der Brombeere? Jemanden als Weib zu bezeichnen, wäre heute eher gewagt, dabei bedeutet es doch ursprünglich einfach Frau. 

Die Sprache passt sich dem Gebrauch an und sagt viel aus über die Gesellschaft. Zugrunde gehen wird das Deutsche nicht, da können die Jugendlichen noch so viele grammatikalisch inkorrekte Whatsapp-Nachrichten schreiben.