Kanzleramt

Auch Merkel ist alternativlos

Dagmar Heuberger
Angela Merkel kündigt vor den Medien in Berlin an, dass sie bei den Wahlen 2017 für eine vierte Amtszeit als Bundeskanzlerin antreten will.

Angela Merkel kündigt vor den Medien in Berlin an, dass sie bei den Wahlen 2017 für eine vierte Amtszeit als Bundeskanzlerin antreten will.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel will wieder für den CDU-Vorsitz und das Kanzleramt kandidieren.

Monatelang hatte Deutschland gerätselt: Macht sies nochmal? Seit gestern Abend steht fest: Angela Merkel kandidiert noch einmal für das Kanzleramt. Zum vierten Mal seit 2005. Gewinnt die CDU-Politikerin die Bundestagswahl im kommenden Herbst und bleibt weitere vier Jahre an der Spitze der deutschen Regierung, wäre sie 2021 gleich lange im Amt wie ihr Ziehvater Helmut Kohl – 16 Jahre. Doch Merkel dürfte es kaum um die Egalisierung dieses Rekords gehen. Dazu ist sie zu unprätentiös, zu nüchtern.

Vielmehr diktieren Verantwortungsbewusstsein und Pflichtgefühl ihr Handeln. Verantwortungsbewusstsein gegenüber Europa, ja der Welt, die angesichts des entfesselten Populismus aus den Fugen zu geraten scheint. In solch unsicheren Zeiten ist eine erfahrene Politikerin wie Merkel ein Anker der Stabilität und der Verlässlichkeit. Nicht von ungefähr bezeichnete die «New York Times» die deutsche Kanzlerin unlängst als «letzte Verteidigerin der freien Welt». Pflichtgefühl sodann gegenüber der CDU, die schlicht keinen anderen Kandidaten hat, den sie in den Bundestagswahlkampf schicken könnte. Wie Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident ist auch Merkel als Kanzlerkandidatin alternativlos.

Trotz Merkels Kandidatur ist es aber noch keineswegs sicher, dass CDU und CSU 2017 an der Macht bleiben. Die politische Landschaft ist auch in Deutschland im Umbruch: Der CDU bröckelt die Basis weg, von rechts greift die «Alternative für Deutschland» an. Noch sind die deutschen Rechtspopulisten nicht so stark wie etwa der Front National in Frankreich. Doch die Lehre aus Brexit und Trump heisst: Nichts ist unmöglich.

dagmar.heuberger@azmedien.ch

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