Strafvollzug

Auch Gefangene haben Rechte

Zu wenig Gefängniszellen: Manche Frauen warten ein Jahr auf einen geeigneten Platz in einer Anstalt.

Gefängnisse sind für Untersuchungshaft und Kurzstrafen konzipiert. Wer eine längere Strafe verbüssen muss, hat das Recht, dies in einer Anstalt für den Strafvollzug zu tun. Der Unterschied zwischen einem Gefängnis und einer Strafvollzugsanstalt ist relevant. Im Strafvollzug wird unter anderem die Fähigkeit gefördert, künftig straffrei zu leben. Man hat Arbeits-, Sport- und Weiterbildungsmöglichkeiten, erhält eine Betreuung, um schädlichen Folgen des Freiheitsentzugs entgegenzuwirken.

Sowohl für Frauen als für Männer fehlen zahlreiche Plätze im Strafvollzug. Sie landen dann auf einer Warteliste. Das bedeutet oft, dass Betroffene diese Zeit in Untersuchungs- und Regionalgefängnissen überbrücken. Dort aber fehlen häufig Tagesstrukturen. Frauen sind zudem sozial isoliert. Sie haben in diesen Gefängnissen oft wenig Kontaktgelegenheiten, weil dort nur wenige oder keine anderen Frauen untergebracht sind und sie strikt von den männlichen Insassen getrennt werden. Diese Faktoren führen zu einer hohen psychischen Belastung für die Insassinnen.

Es ist daher wichtig, dass die geplanten zusätzlichen Plätze für Frauen, zum Beispiel in der Strafvollzugsanstalt Hindelbank BE, die als einzige ausschliesslich auf Frauen ausgerichtet ist, zügig an die Hand genommen werden. Das gleiche Fazit gilt auch bei den Männern. Für die Resozialisierung ist die Unterbringung in einer ungeeigneten Anstalt ein riesiges Problem. Gefangene haben das Anrecht, gut betreut auf das Leben in Freiheit vorbereitet zu werden. Das liegt im Interesse der ganzen Gesellschaft.

inland@chmedia.ch

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