Frau Lüscher hat wieder angerufen. Ob sie mich etwas fragen dürfe? Ich sagte, selbstverständlich dürfe sie das. Es blieb einen Moment lang ruhig. Ich hörte, wie Frau Lüscher
tief Luft holte. Dann sagte sie, sie überlege sich, als Regierungsrätin zu kandidieren. Ob ich das auch eine gute Idee fände und wie ich ihre Chancen einstufe, Nachfolgerin von Frau Hochuli zu werden?

Ich war sprachlos. Frau Lüscher nutzte meine Sprachlosigkeit und redete gleich weiter. Sie wäre selber nie auf die Idee gekommen, erklärte sie, aber sie sei von der Partei ihres Mannes angegangen worden: Sie sei die perfekte Kandidatin für den Regierungsrat: politisch ein unbeschriebenes Blatt, zudem eine Frau und erst noch völlig überraschend aus dem Hut gezaubert. Und ihr grösstes Plus: Durch ihre zahlreichen in der AZ abgedruckten Telefonate mit dem Redaktor sei sie im Aargau mit Garantie viel bekannter als andere Kandidierende.

Im Volk werde sie überaus geschätzt, weil sie so rede wie die Leute denken. Diesen Vorteil müsse man nützen, berichtete Frau Lüscher. Die Parteifreunde ihres Mannes hätten auch ihren klaren Verstand und ihre gesunden Ansichten gerühmt. Eben, und jetzt habe sie das ganze Wochenende lang nachgedacht, habe verglichen und sei zum Schluss gekommen: Ja, vielleicht sollte sie doch tatsächlich kandidieren. Und ob ich in ihrem Unterstützungskomitee mitwirken möchte? Und was ich von ihrem Slogan halte – es sei aber wirklich erst ein Arbeitstitel: «Frau Lüscher ist früscher»?

Ich wusste noch immer nicht, was ich ihr alles antworten sollte; endlich kam die rettende Idee: Wenn schon kandidieren, dann aber gleich richtig, sagte ich ihr und empfahl als Wahlkampfleiter den einzigen, der dafür infrage kommen kann: Polderhorn.