Meiereien

Auch Frau Lüscher tat es

Donald Trump, Arianne Zucker und Billy Bush.

Donald Trump, Arianne Zucker und Billy Bush.

Jörg Meier bekam ein Anruf von einer alten Bekannten. Die tat etwas ähnliches, wie der Präsidentschaftskandidat Donald Trump.

Frau Lüscher hat angerufen. Wegen Donald Trump. Und seinen sexistischen Prahlereien von 2005 in der Garderobe. Sie sei ein bisschen besorgt, sagte Frau Lüscher. Nicht wegen Trump, sondern weil sie, was Garderobentrash betreffe, auch nicht ganz unschuldig sei. Wie sie das meine, fragte ich.

Ich hörte förmlich, wie sie errötete. Bis vor kurzem habe sie aktiv im Damenturnverein mitgemacht. Da sei es jeweils in der Garderobe manchmal schon ziemlich fröhlich zu- und hergegangen. Ja, sie hätten sich manchmal auch über gewisse Männer lustig gemacht, lockere Sprüche seien gefallen, und ja, sie habe gelegentlich auch den Gemeindeammann parodiert, sehr zum Vergnügen der Turnkolleginnen. Saulustig sei es amigs in der Garderobe gewesen.
Ich sagte, diese Garderobenfröhlichkeit würde ich auch kennen, wahrscheinlich gehe es bei Männern unter der Dusche sogar noch eine Spur vulgärer zu. Wo denn für sie das Problem sei?

Sie sei angefragt worden, ob sie nächstes Jahr für die Schulpflege kandidieren wolle, sagte Frau Lüscher. Und das möchte sie gerne; aber falls jemand aufgenommen habe, wie sie damals in der Garderobe den Gemeindeammann parodiert habe und dieser jemand die Aufnahmen «trumpisieren» täte, dann könne sie gleich einpacken. Fertig Schulpflege, noch bevor sie offiziell kandidiere. Ob ich das auch so sähe?

Ich sagte, ich sei überzeugt, dass bei uns Garderobentrash keine Wahl zu entscheiden vermag. Dass wir keine elfjährigen, versteckt aufgenommenen Videos brauchen, um zu erkennen, ob einer für ein Amt taugt oder nicht.

«Dann soll ich kandidieren?», fragte sie.

«Unbedingt» entgegnete ich – und merkte, dass ich schon ein bisschen neugierig auf Frau Lüschers Garderobe-Video war.

Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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