Kommentar

Auch die Japaner werden den Schweizer Detailhandel nicht retten

So sieht ein Muji-Shop in Bangkok aus: Im Zürcher Einkaufszentrum Glatt eröffnet im Herbst 2019 die erste Schweizer Filiale auf rund 1000 Quadratmetern. Shutterstock

So sieht ein Muji-Shop in Bangkok aus: Im Zürcher Einkaufszentrum Glatt eröffnet im Herbst 2019 die erste Schweizer Filiale auf rund 1000 Quadratmetern. Shutterstock

Mit Neuankömmlingen wie der japanischen Marke Muji können einzelne Shoppingcenter vielleicht die klaffenden Löcher in ihrer Einkaufskulisse schliessen. Aber derlei Coups mit internationalen Marken taugen nicht als Mittel gegen die schweizweite Plage der leeren Läden.

Es ist viel mehr ein Zeichen dafür, dass sich der Schweizer Markt ständig wandelt. Die Liste jener Akteure, die aufgeben mussten oder einen Grossteil ihrer Filialen schlossen, ist mittlerweile lang. Switcher und Bata sind weg, Pasito und Companys hat es erwischt. Ebenso Yendi, Bernie’s oder Charles Vögele. OVS trat 2016 mit viel Brimborium an und stürzte 2018 ab. Die Liste der Neuankömmlinge ist ebenso eindrücklich. Der französische Sport-Discountriese Decathlon erfreut neuerdings Schnäppchenjäger. XXXLutz aus Österreich belebt den Möbelhandel, der seine Preise schon dem Ausland angeglichen hat. Die Schuhverkäufer Snipes und Foot Locker sind da oder Flying, eine dänische Kette mit Wohnaccessoires. Nun Muji, diese japanische Verbindung von Zara und Ikea oder von klugem Design mit getrocknetem Tintenfisch, wie die «New York Times» einst schrieb.

Für die Kunden mag dieses Kommen und Gehen amüsant sein, so sie Abwechslung mögen. Doch umsatzmässig ist es viel mehr ein Gehen als ein Kommen. Der Detailhandel, ohne die Nahrungsmittel, erzielte im September 14 Prozent weniger Umsatz als vor zehn Jahren. Verkäufer von Kleidern und Schuhen gar 34 Prozent weniger. Dies ein verlorenes Jahrzehnt zu nennen, wäre beschönigend. Derlei Zahlen erklären, warum Neuankömmlinge keine Lösung sind, wenn landauf, landab mehr Läden leerstehen. Zumal grosse Ketten sich meist niederlassen, wo ohnehin grosse Menschenströme vorbeifliessen. Kleine und mittlere Städte, die besonders zu kämpfen haben, meiden sie zumeist.

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