Es ist noch keinen Monat her, da machten Grüne und SP zuvorderst beim Frauenstreik mit und forderten unter anderem die ausgeglichene Vertretung der Geschlechter in der Politik. Den Praxistest bestehen die beiden Parteien aber nicht: Nachdem die SP für die Ständeratswahlen mit Cédric Wermuth einen Mann nominiert hat, werden es ihnen die Grünen jetzt mit Severin Lüscher für die Regierungsratswahl wahrscheinlich gleichtun. Es zähle, wer die beste Person für das Amt ist, dabei sei es egal, welches Geschlecht diese hat, sagen sie. Das ist das gleiche Argument, das die Bürgerlichen bei Männerkandidaturen jeweils bringen. Und dasselbe, das von links immer wieder kritisiert wird.

Die Grünen hatten aber gar keine echte Wahl. Der Vorstand hat keine Kandidatin zurückgewiesen, es hat sich schlicht keine Frau zur Verfügung gestellt. Die Auswahl an Frauen, die bereit sind, ein höheres politisches Amt auszuüben, ist in der relativ kleinen Partei sehr überschaubar. Hier liegt das Problem: Nicht einmal die Grünen haben es bisher geschafft, ein ausgeglichenes Verhältnis der Geschlechter bei Amtsträgerinnen und Amtsträgern und deren möglicher Nachfolger aufzubauen. Es sind also nicht nur die Bürgerlichen, die diesbezüglich Nachholbedarf haben.

Die Argumente für eine Kandidatur von Severin Lüscher sind gut: Der Gesundheitspolitiker kennt die Dossiers des Departements Gesundheit und Soziales bereits und er ist als gemässigter Grüner über die Parteigrenzen hinaus wählbar. Aber: Ein reiner Männer-Regierungsrat steht dem Aargau nicht gut an.