Kommentar

Apple ist zwei Billionen Dollar schwer: Mit dem Wert wächst auch der Widerstand gegen das Unternehmen

Too big to fail? Bei Apple verhält es sich eher andersherum: Je erfolgreicher das Unternehmen, desto weniger sympathisch ist es. (Archivbild)

Too big to fail? Bei Apple verhält es sich eher andersherum: Je erfolgreicher das Unternehmen, desto weniger sympathisch ist es. (Archivbild)

Zum wertvollsten Unternehmen wurde Apple nicht nur dank seiner innovativen Ideen, sondern auch wegen seiner Monopolstellung. Doch diese wird nun auch in Amerika infrage gestellt.

«Eine Million Dollar ist nicht cool», sagt Sean Parker, Napster-Gründer und Mentor von Mark Zuckerberg, im Biopic «The Social Network». «Cool ist eine Milliarde!». Das war vor zehn Jahren. Heute ist für die Tech-Chefs eine Milliarde ziemlich uncool geworden. Cool ist eine Billion. Oder gleich zwei. Seit dieser Woche ist Apple zwei Billionen Dollar wert – so hoch wurde noch nie eine US-Firma an der Börse bewertet. Auch Google, Amazon und Microsoft haben die Billionengrenze gesprengt, und Facebook nähert sich ihr an.

Während in der Coronakrise viel Firmen ums Überleben kämpfen, Massenkündigungen aussprechen oder gar Konkurs gehen, gehören die Tech-Unternehmen zu den Gewinnern. Der Shift von Offline zu Online begünstigt ihre Geschäftsmodelle. Den Grundstein ihres Erfolges haben die Unternehmen mit ihren innovativen Ideen gelegt. Doch exorbitant gewachsen sind sie dank ihren Quasi-Monopolstellungen.

Rebellion und Klagen gegen Apple: Kommt es zur epischen Schlacht?

Im World Wide Web gilt das «The Winner Takes It All»-Prinzip: Die beste Suchmaschine, der beste Online-Store, das beste soziale Netzwerk gewinnt alle Nutzer. Distanz spielt keine Rolle mehr. Im Internet sind alle Anbieter genau gleich weit entfernt, immer bloss einen Klick. Und es herrscht Transparenz: stets lässt sich akkurat vergleichen, wer der Beste ist. Es kann es deshalb über kurz oder lang jeweils nur einen Sieger geben – oder maximal zwei Anbieter, die ähnlich gross sind.

Die Widerstände gegen die Monopole werden immer grösser. Nicht nur in Europa, wo die EU juristisch und politisch gegen die amerikanischen Tech-Riesen vorgeht und teils auf deren Zerschlagung hinarbeitet. Auch in den USA selbst werden die Unternehmen angegangen.

Letzte Woche wagte es die Firma Epic, Hersteller des populären Computerspiels «Fortnite» den Riesen Apple und Google die Stirn zu bieten. Das Game-Studies bot seinen Nutzern die Möglichkeit, Game-Inhalte über ein eigenes Bezahlsystem billiger zu Kaufen als über die App-Stores von Apple und Google. Diese verdienen bei jedem In-App-Kauf mit 30 Prozent mit, was viele App-Anbieter überrissen finden. Sowohl Apple als auch Google verbannten «Fortnite» von ihren Plattformen, worauf Epic prompt mit einer 60-seitigen vorbereiteten juristischen Klage reagierte. Das Vorgehen von Epic könnte Schule machen und zu einer Rebellion der App-Entwickler führen. In den US-Medien ist die Rede von einem «epic battle», einer epischen Schlacht.

Apple dominiert nicht bloss den Markt, der Konzern hat längst seinen eigenen geschaffen

Zu vor hatte schon Spotify Beschwerde gegen Apple eingereicht, weil der Konzern seine Marktmacht missbrauchen würde. In der EU startete bereits ein Kartellverfahren gegen Apple, in den USA läuft eine Voruntersuchung. Für Apple könnte das gefährlich werden, denn auch in Amerika werden die Geschäftsmodelle der Tech-Giganten allmählich kritischer hinterfragt. Jüngst mussten das die Fahrdienste Uber und Lyft zur Kenntnis nehmen. Just in Kalifornien, der Geburtsstädte fast aller US-Tech-Firmen, entschied ein Gericht, dass die Unternehmen ihre Fahrer künftig als Angestellte behandeln müsse und folglich für sie Sozialabgaben zahlen muss.

Uber und Lyft haben auf den Strassen eine ähnliche Stellung wie Apple und Google mit ihren Betriebssystemen und App-Stores auf den Smartphones. Sie können so den Fahrern die Bedingungen diktieren. Dagegen gibt es vermehrt Widerstand. Das ist gefährlich für eine freie Wirtschaft und folglich auch aus liberaler Sicht zu kritisieren. Schliesslich dominieren die grossen Tech-Firmen nicht bloss einen Markt. Sie schaffen mit ihren Plattformen einen eigenen, abgeschlossenen Markt: sei es einen Store für Software auf den Smartphones oder ein System für Fahrer-Vermittlern auf den Strassen. Freie Märkte werden durch private Märkte abgelöst, die nicht durch das Spiel von Angebot und Nachfrage reguliert werden, sondern nach den Bedürfnissen ihrer Erfinder gestaltet. Auf diese Weise kommen die exorbitanten Werte der Firmen zustanden. Eine Milliarde ist uncool geworden. Cool ist nur noch eine Billion.

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