Wann soll das Leben zu Ende sein? Diese Frage überlassen viele Menschen nicht mehr Gott oder der Natur, sondern nehmen sich ihrer selber an. Vergangene Woche starben zwei ältere Ehepaare durch einen erweiterten Suizid – zuerst in Affoltern, dann in Oftringen. In beiden Fällen waren die Frauen krank und wurden von ihren Männern gepflegt. 

Irgendwann entschieden sie sich: So ist das Leben nicht mehr lebenswert. Vielleicht hätten die Tötungen verhindert werden können, wenn die Ehepaare von Umfeld und Ärzten die richtige Unterstützung erhalten hätten. Vielleicht haben die Ehepaare dies aber auch – und sich dennoch entschieden, zu sterben.

Wenn man in seinem Leben Wert auf Freiheit legt und die wichtigen Entscheidungen stets selber trifft, warum sollte man dann just die letzte nicht auch selber treffen? Gerade in der Generation der Babyboomer, welche die gesellschaftlichen Zwänge hinter sich gelassen hat, verbreitet sich die Vorstellung des selbstbestimmten Sterbens. 

Je besser die Medizin wird, desto wichtiger wird es sein, darüber zu diskutieren, welche Rolle ihr am Lebensende zukommen soll: Soll sie wirklich nur dazu da sein, das Leben zu verlängern und Schmerzen zu lindern? Oder soll sie den Menschen auch behilflich sein, ihre individuellen Sterbevorstellungen zu verwirklichen, damit die lebensmüden Älteren mit ihren Selbstmordgedanken und deren Umsetzung nicht alleingelassen werden? Dass in der Schweiz Sterbehilfe vergleichbar liberal geregelt wird, ist für diese Diskussion kein Nachteil.