Sie ist eine tolle Sache, unsere direkte Demokratie – aber auch eine anstrengende: Im Vierteljahres-Takt sind wir aufgefordert, wichtige Zukunftsfragen zu entscheiden. Okay, manchmal sind sie nicht so wichtig, sondern eher skurril. In drei Wochen aber wird es grundsätzlich: Es geht um die Energiewende. Der Aargau ist davon besonders betroffen, denn der Ausstieg aus der Atomenergie verursacht hier besonders starken Trennungsschmerz.

Obwohl – auch wenn Fukushima der Auslöser für die Energiestrategie 2050 war: Die Vorlage, über die wir am 21. Mai abstimmen, ist nicht wirklich ein Atomausstieg. Die Zwangs-Abschaltungs-Initiative hatten wir schon, am letzten 27. November, wir haben sie mit 55 Prozent abgelehnt. Gemäss Vorlage vom 21. Mai laufen die Schweizer Atomkraftwerke weiter, solange sie sicher sind. Das kann noch lange dauern. Sie dürfen einfach nicht ersetzt werden. Aber dazu braucht es keine Volksabstimmung. Es investiert heute ohnehin niemand mehr in diesen Reaktortyp. Ein Technologieverbot gibt es indessen nicht, die Forschung in diesem Bereich kann und wird weitergehen.

Was mir Kummer bereitet beim Verfolgen der Debatte: Die heutige Generation diskutiert fast ausschliesslich die Perspektiven der heutigen Generation. Und redet fast ausschliesslich vom Geld. Dabei ist die Vorlage ein Langfrist-, ein Zukunfts-Gestaltungs-Projekt. Wenn wir jetzt nicht (sanft) gewisse Weichen stellen – Richtung sparsameren Umgang mit den Ressourcen –, dann geht es für unsere Enkel nicht mehr um Geld, sondern um zerstörte Lebensgrundlagen. Politik ist noch immer kurzfristorientiert (bis zu den nächsten Wahlen). Und das Volk? Am 21. Mai wissen wir es.

Im Schatten der nationalen Abstimmung segelt eine kantonale: Es ist die Initiative «Bezahlbare Krankenkassenprämien für alle». Das tönt gut! Wer stöhnt nicht über bald unbezahlbare Prämien. Sofort zustimmen! Halt. Bitte genauer hinsehen. Die Vorlage kostet den Kanton mindestens 60 Mio. Franken im Jahr. Das entspricht 4 Steuerprozenten. Wo soll dieses Geld herkommen, bei einem strukturellen Defizit von bereits über 200 Mio. Franken? Die Grenzen des Sparens sind bald einmal erreicht. Und auch die Steuern kann man nicht beliebig erhöhen. Die Annahme dieser Initiative würde zu einem noch monströseren Staats-Defizit führen. Das ginge dann – siehe oben – auch wieder zulasten unserer Enkel und ihrer Zukunftsperspektiven. Wir lösen das Problem der steigenden Gesundheitskosten nicht, wenn wir einfach noch mehr Geld ins System pumpen.