Es ist richtig, wenn in der föderalistischen, multikulturellen Schweiz verschiedene Modelle des Fremdsprachenunterrichts nebeneinander existieren. Die Romands lernen zuerst Deutsch, dann Englisch, die deutschsprachigen Schüler entlang der Sprachgrenze beginnen mit Französisch, ehe sie sich der lingua franca annehmen. In der Zentral- und Ostschweiz kommt Shakespeare vor Molière. Tessiner und Bündner sind de toute façon Spezialfälle. Der Sprachenkompromiss der Erziehungsdirektoren trägt dieser bunten helvetischen Realität Rechnung.

Die föderalistische Vielfalt ist aber kein Freipass für kantonale Ego-Trips. Ein Mindestmass an nationaler Entente muss sein. Ein Flickenteppich mit am Ende bis zu 26 unterschiedlichen Unterrichtsmodellen dient niemandem – am wenigsten den Schülern, deren Eltern sich zum Umzug in einen anderen Kanton entschliessen. Die Intervention des Bundesrats ist deshalb begrüssenswert. Und sie kommt im richtigen Moment. In mehreren Deutschschweizer Kantonen sind Bestrebungen virulent, den Französischunterricht zurückzustufen. Das ist staats- wie bildungspolitisch fragwürdig. Wenn wir aufhören, uns für Sprache und Kultur der welschen und Tessiner Compatriotes zu interessieren, verraten wir ein Stück weit die Idée suisse.

Allez-y, Monsieur Berset. Nur zu, Herr Bundesrat. Die Landesregierung ist verpflichtet, dem Kantönligeist Einhalt zu gebieten. Befürchtungen, dem Land stehe eine Zerreisprobe bevor, sind übertrieben. Das Volk dürfte in Zeiten, in welchen nationale Identitätsfragen wieder vermehrt diskutiert werden, durchaus empfänglich sein für eine sprachpatriotische Besinnung.