Die Wirtschaft in Deutschland brummt – und zwar in allerbestem Porsche-Sound: «Besser als zurzeit ging es der deutschen Wirtschaft noch nie», konstatiert die «Frankfurter Allgemeine». Die Schweiz freuts, denn auch hiesige Unternehmen haben etwas davon. Aber jemand freut sich noch ein wenig mehr: die deutsche Bundeskanzlerin.

Für Angela Merkel kommt das «neue Wirtschaftswunder» zum denkbar besten Zeitpunkt. Warum? Weil der Boom der Kanzlerin mitten im Bundestagswahlkampf den Rücken freihält. Vor der Schulz-SPD, die mit ihrem Gerechtigkeitswahlkampf kaum Gehör findet in einer Zeit, in der es aufwärtsgeht im Land – auch wenn manche stärker vom Aufschwung profitieren als andere. Selbst Horst Seehofer, Merkels Quälgeist aus dem Süden, lässt sie für einmal in Ruhe. Die brummende Wirtschaft gibt Merkel Spielraum, um sich um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern: um Europa, dessen Gewissheiten eine nach der anderen von einem infantilen US-Präsidenten ausradiert werden. Um die Konfliktherde weltweit, die Donald Trump als innenpolitische Spielwiese missbraucht. Die USA fallen als verlässlicher Partner aus, das hielt Merkel am Wochenende selbst fest. Die Kanzlerin sieht sich in der Verantwortung.

Die Stimme der Vernunft kommt diesmal aus dem Bierzelt: «Wir Europäer müssen unser Schicksal in unsere eigene Hand nehmen», insistierte Merkel an einem Volksfest in Bayern. Wie auch immer das aussehen mag – klar ist: Merkel muss die Rolle Europas stärken. Nicht zuletzt als Gegengewicht zu Trump. Mit Frankreichs Präsident Macron, der schon mal die Hand des US-Präsidenten zur Begrüssung so lange zusammenquetscht, bis die Botschaft des erstarkten Europa selbst bei diesem angekommen ist, scheint Merkel nun sogar den richtigen Partner an der Seite zu haben. Auch wenn es in Wirtschaftsfragen noch zu Reibereien kommen könnte.