Statistiken

Alle Arbeitslosen zählen, bitte

Arbeitslosigkeit: Die offizielle Kennzahl erfasst nur etwa die Hälfte aller tatsächlich Arbeitslosen.

Arbeitslosigkeit: Die offizielle Kennzahl erfasst nur etwa die Hälfte aller tatsächlich Arbeitslosen.

Diesen Titel – «Alle Arbeitslosen zählen, bitte» – setzte die KOF im Herbst 2016 über einen Beitrag zur Arbeitslosenquote. Schon damals hatte die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich beachtliche Schwächen ausgemacht an dieser Statistik. Es werde etwa nicht erfasst, dass es immer mehr Langzeitarbeitslose gebe. Bei der KOF-Kritik geht es nicht darum, dass das Staatssekretariat für Wirtschaft seinen Job nicht machen würde. Das Seco führt auftragsgemäss eine Statistik über die Zahl der Arbeitslosen, die an den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) gemeldet sind. Aber es können Fehlschlüsse entstehen, wenn die Seco-Arbeitslosenquote unhinterfragt zum Mass aller Dinge gemacht wird.

Dann heisst es dann eben: Der Arbeitsmarkt im Juni 2018 sei in der besten Verfassung seit dem Juni 2008. Dabei würde die Arbeitslosenquote höher liegen, würde sie noch gleich gemessen. Oder es heisst, es seien in der Schweiz «nur» 106'579 Personen arbeitslos. Dabei sind es mehr als doppelt so viele. Das zeigt die weniger bekannte, aber international vergleichbare Erwerbslosenstatistik.

Daraus kann sich ein ungesunder Gegensatz ergeben zwischen schönem Schein und tatsächlich erlebter Realität am Arbeitsmarkt. Ein Anfang wäre es wohl schon, wenn die Erwerbslosenstatistik umgetauft würde in Arbeitslosenstatistik gemäss Internationaler Arbeitsorganisation. Auf diese Weise bekämen zumindest mehr Menschen mit, dass es da noch eine zweite Statistik zur Arbeitslosenquote gibt. Auch das fordert die KOF schon länger.

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