Apropos

Alexandra, bitte ab sofort Frau Müller

Sich wie eine Hostess anreden zu lassen, ist heute offenbar Auflage im Coiffeur-Salon. Wie es auch Auflage sei, den Salon mit Musik zu beschallen.

Sich wie eine Hostess anreden zu lassen, ist heute offenbar Auflage im Coiffeur-Salon. Wie es auch Auflage sei, den Salon mit Musik zu beschallen.

Die junge Frau bewies zweimal Mut. Zweimal hatten wir gefragt: «Hören Sie sich diesen Schwachsinn eigentlich auch privat an?» Sie reckte ein wenig das Kinn, zum Zeichen: Diese Herausforderung, alter Sack, nehme ich an. «Ja», sagte sie und hielt den Blick beinhart durch. Sie hatte sich nur mit Vornamen vorgestellt – Alexandra.

Sich wie eine Hostess anreden zu lassen, ist heute offenbar Auflage im Coiffeur-Salon. Wie es auch Auflage sei, den Salon mit Musik zu beschallen. So entschuldigen sich Coiffeusen gewöhnlich, wenn man gegen die Beschallung mault. «Musik» ist natürlich der völlig falsche Ausdruck für die Gülle, die man hier in die Ohren gespült bekommt – und nicht nur da. 

Was ich davon halte, sage ich jeweils unverblümt. Natürlich ist das ungerecht und schroff. Dafür bin ich alt genug, um auch einer Mamsell, die mit Vornamen auf Schwester macht, die Meinung zu geigen. Im Alter weiss jeder, dass dies nichts nützt. Die Phonbrühe schütten sie überall aus: im Restaurant, im Lift, auf dem Schiff, sogar beim Zahnarzt – nirgendwo mehr gibt’s die Gnade ästhetischen Gefühls.

Auch Alexandra war das wurscht. Den Mist privat zu hören, ist ihr gutes Recht. Nur fragt sich, warum der Kunde im Salon ungefragt mit Privatgeschmack traktiert werden soll? Alexandra, ab sofort gilt wieder «Frau Müller» im Umgang mit dem blöden Sack.

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