Wenn sich die Eltern heftig streiten, schlagen, sich mit Gegenständen bewerfen, bräuchten Kinder besondere Zuwendung. Auch wenn sich die Gewalt nicht direkt gegen sie richtet, leiden sie unter der Situation – und dies oft so heftig, dass aus medizinischer Sicht eine Misshandlung vorliegt.

Doch wo liegt die Grenze zur Misshandlung, sei es psychisch oder körperlich? Ist eine Ohrfeige eine Misshandlung? Im Parlament ist man sich nicht einig, wie die Debatte um Körperstrafen vor einem Jahr zeigte. Am Kinderspital Baden beispielsweise wird eine einmalige Ohrfeige, die keinen Bluterguss oder Abdruck hinterlässt, nicht als Misshandlung erfasst. Doch jeder Klinik ist es selbst überlassen, wo sie die Grenze setzt – es gibt keinen schweizweit gültigen Standard.

Entscheidend für die Beurteilung ist, wie stark ein Verhalten das Wohl des Kindes beeinträchtigt. Das zu beurteilen ist nicht Aufgabe der Politiker, sondern der Kinderärzte. Sie sollten sich trauen, klare Kriterien zu nennen, ab wann körperliche oder psychische Misshandlung vorliegt.