Erst brauchten es nur die Soziologen, dann ein paar Politikerinnen, und schlussendlich flutete es alle Kanäle. Nein, nicht das Zika-Virus, sondern ein an und für sich schönes Wort. Die Zivilgesellschaft. Vor und nach der Abstimmung über die Durchsetzungsinitiative erlebte es seinen Höhenflug in unserem Land. Und nun ist es müde, ausgelatscht wie …? Wie alte Schuhe. Denn nach dem «Durchmarsch der Zivilgesellschaft» (so die sonst sprachsensible NZZ über die Abstimmung) kriege ich Blasen an den Füssen, wenn ich das Wort nur schon höre.

Dabei war ich gerne Mitglied dieser Zivilgesellschaft, auch wenn ich nie so recht wusste, was der Begriff meint. Ich fühlte mich als Zivilgesellschaftlerin gut und frei, war das Gegenteil eines Militärkopfs und Apparatschiks. Das Wort machte uns zu zivilisierten Menschen.

Aber eben seit ein paar Wochen beruft sich jeder auf diese Zivilgesellschaft. Sie wurde quasi zur nichtorganisierten Organisation, die alles zum Guten kehren und jedem Furz zum Durchbruch verhelfen soll. Das stinkt mir. Ich trete aus.