Momentan wird gerade Silvio Berlusconi politisch verabschiedet. Obwohl er so viele Haare auf dem Kopf hat wie schon lange nicht mehr, starrt ihm aus den Zeitungsspalten von halb Europa ein «Arrivederci!» entgegen.

 Man weiss, das bedeutet wörtlich «Auf Wiedersehen». Aber hier steht kein Wunsch, der Vater sein könnte, denn den Gedanken gibt es wohl nicht. Niemand wünscht sich diesen Menschen zurück. Oder: Dieser Mensch ist schon so oft verabschiedet worden. Die Formel ist total ausgelutscht – oder ausgelatscht? Nun kennt das Italienische auch die Abschiedsformel «addio». Die sollte man – auch wenn es um Politik geht – nicht allzu wörtlich nehmen.

 Beethoven übrigens, der über seine Es-Dur-Sonate Nr. 26, op. 81a eigenhändig «Das Lebewohl» und über die berühmten Dreiklänge «Le-be-wohl» schrieb, empfand auch, dass die Übersetzung «Les Adieux», unter diesem Titel kursiert das Stück heute, nicht ganz angemessen sei. «Adieu» sage man zu einer Vielheit, einer Menge oder einer abstrakten Mehrheit («Adieu, Wien»). «Lebewohl» sei hingegen die persönliche Verabschiedung eines nahestehenden Mitmenschen. Fragt sich jetzt, wie Berlusconi Beethoven hört. Vielleicht mag er nach dem zweiten Satz «Abwesenheit» nicht mehr und lässt das «Wiedersehen»?