O-Ton

ADC-Gala in Zürich: Fast wie die Oscars

Beinahe zwei Milliarden Franken des gesamten Schweizer Werbeetats fliessen mittlerweile direkt zu Google und Facebook. (Archivbild)

Beinahe zwei Milliarden Franken des gesamten Schweizer Werbeetats fliessen mittlerweile direkt zu Google und Facebook. (Archivbild)

Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer ist der Kreativste im ganzen Land? An diesem Samstag werden an der ADC-Gala die besten Werber ausgezeichnet. Der ADC ist der Rotary der Werbung: selbstbewusst, elitär und ein bisschen männerlastig. Gegründet wurde der Art Director Club 1976 in der Zürcher Kronenhalle. Sein einziges Ziel: bessere Werbung.

Damit die anwesenden Werbeikonen den Schweizer Sieg am Lauberhorn nicht verpassten, wurde ein TV-Gerät aufgestellt.

Auch wenn sich die Werbung in den vergangenen drei Jahrzehnten grundlegend änderte, der ADC ist gleich geblieben. Die Preisverleihung in einer Zürcher Trendhalle ist fast glamouröser als eine Oscar-Nacht. Das ist der Hauptunterschied zu den Verlegern: während diese mit ihrem Schicksal hadern, zelebrieren die Werber diesen Samstag eine Welt, die es so längst nicht mehr gibt.

Irgendwie ist dies sympathisch. Obwohl die Zeichen auch bei den Schweizer Kreativen auf Dunkelrot stehen. Viele Werber bezeichnen sich – ausserhalb der ADC-Veranstaltung – auch nicht mehr als Werber. Der Grund: Beinahe zwei Milliarden Franken des gesamten Schweizer Werbeetats fliessen mittlerweile direkt zu Google und Facebook. Hier braucht es keine Kreativität – und wohl auch keine Agenturen – mehr.

Doch davon wird man am Samstag nichts hören. ADC-Präsident und «Starwerber» Frank Bodin wird der Veranstaltung den notwendigen Glanz geben. Obwohl er sich selbst unlängst von der Agenturwelt verabschiedet hat und ein Consulting-Büro gründete. Nicht anders seine berühmten Vorgänger: Walter Bosch wurde Unternehmer, Martin Suter Schriftsteller.

Vielleicht war das Lauberhornrennen von 1976 ein Omen: entgegen aller Erwartungen gewann kein Schweizer. Der Sieger hiess Franz Klammer.

Matthias Ackeret ist Verleger von «persönlich» und persoenlich.com.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1