Die SVP Aargau hält einen zwiespältigen Rekord. Sie stellt mit Maximilian Reimann (75-jährig, seit 1987 in Bern), Luzi Stamm (65, seit 1991) und Ulrich Giezendanner (64, seit 1991) die drei dienstältesten Nationalräte der Schweiz. Positiv gesehen, stehen sie für Konstanz, Erfahrung und Einfluss. Bei kritischer Betrachtung müssen sie sich die Bezeichnung Sesselkleber gefallen lassen, die den Weg für den internen Nachwuchs versperren. Sylvia Flückiger (65) als Vierte im Seniorenalter verstärkt diesen Eindruck.

Die Parteispitze hat das Problem erkannt und eine Altersguillotine eingeführt. Der sanfte Druck zeigt Wirkung: Flückiger verzichtet vorzeitig, Reimann zieht sich murrend von der SVP-Liste zurück, bei Stamm hilft die Partei mit gesundheitlicher Begründung nach. Allein Giezendanner hat die Zeichen der Zeit erkannt und seinen Abgang frühzeitig angekündigt.

Für den Generationenwechsel ist es höchste Zeit – ja, eigentlich kommt er vier Jahre zu spät. Die SVP hätte schon 2015 die Weichen stellen und gestaffelt Jüngere nachziehen sollen. Jetzt verliert die 40-Prozent-Partei auf einen Schlag vier von sieben Nationalräten. Für die erfolgsverwöhnte Volkspartei wird es schwierig, alle Sitze zu verteidigen, wenn sie mehr Neulinge als Bisherige dafür braucht.

Und der SVP könnte doppelt Konkurrenz erwachsen: von den etablierten Kräften der anderen Parteien – und möglicherweise von einer Seniorenliste, die seit Monaten durch den Aargau geistert. Sie könnte das Potenzial konservativer AHV-Wähler abholen – vielleicht mit einem kämpferischen Maximilian Reimann an der Spitze?

Lesen Sie auch: Jetzt stellt sich die Frauenfrage in der Aargauer SVP