Es heisst «Aargauer Zeitung», das ist klar. Es würde niemandem einfallen, von der «Aargauischen Zeitung» zu reden. Andrerseits: Wir haben im Aargau die «Aargauische Kantonalbank», allerdings auch die «Neue Aargauer Bank». Ja, was nun? «Aargauer» oder «aargauisch»?

Es gibt die Aargauer Rüeblitorte und den Verein Aargauer Wanderwege. Das Aargauer Kunsthaus. Doch was ist mit dem Aargauischen Gewerbeverband? Mit der Aargauischen Gebäudeversicherung? Dem Aargauischen Trachtenverband? Warum heisst es Aargauer Turnverband, aber Aargauischer Fussball- verband? Wo liegt der Unterschied zwischen den beiden Begriffen? Gibt es gar Richtig oder Falsch?

Der Duden hilft in diesem Fall auch nicht wirklich weiter

Zugegeben, es gibt Wichtigeres. Andererseits kann ich auch nichts dafür, dass ich über ein Inserat der Aargauischen Kantonalbank stolpere, das mit den Begriffen «Aargauisch» und «Aargauer» spielt und mich ratlos macht. Jetzt will ich es genau wissen. Ich konsultiere den Duden. Der hilft mir aber nicht wirklich weiter. Er verrät mir bloss, dass «aargauisch» «den Aargau / die Aargauer betreffend» bedeutet; und «Aargauer» nicht nur ein Substantiv ist, sondern auch ein indeklinables Adjektiv. Aha.

Das hilft mir nicht wirklich weiter. Also frage ich unseren Chef-Korrektor. Der braucht einen Moment Bedenkzeit, sagt dann, seiner Meinung nach gebe es keine verbindliche Regel, wann man «Aargauisch» und wann man «Aargauer» verwenden soll. Es sei wohl auch eine Frage des Sprachgefühls; «Aargauer» sei flüssiger sprechbar als «aargauisch».

Das genügt mir immer noch nicht. Jetzt muss der Sprachforscher her. Ich wende mich an Niklaus Bigler, der sich fast sein ganzes Leben lang mit der Herkunft und der Bedeutung von Schweizer Wörtern beschäftigt hat. Auch Bigler antwortet nicht einfach aus dem Stegreif, sondern zieht vorerst einen Kollegen bei; am Abend erhalte ich seine vorläufige und, wie es sich für einen Wissenschafter gehört, vorsichtige Antwort.

Ähnliches Problem bei Schweizer und schweizerisch

Wahrscheinlich habe jeder der beiden Begriffe eine eigene Geschichte, die allenfalls erklären könnte, warum er entstanden ist bzw. sich durchgesetzt hat. Um eine Gesetzmässigkeit feststellen zu können, würde man aber ein grosses Beispielkorpus benötigen. Sprachforscher Bigler verweist auf die ähnliche Problemstellung bei «Schweizer» und «schweizerisch».

Es gibt die Schweizerischen Bundesbahnen, das Schweizerische Rote Kreuz und die Schweizerische Eidgenossenschaft; daneben stehen das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) oder auch die Schweizer Armee. Und um das Ganze noch ein bisschen mehr zu komplizieren: Bis 2003 hiess die Schweizer Armee noch «Schweizerische Armee». Warum der Namenswechsel? Tönte «schweizerisch» zu antiquiert? «Man sollte da meines Erachtens nicht zu viel hineininterpre- tieren», relativiert Niklaus Bigler.

Bigler vermutet, dass bei Personen «Aargauer» besser passt; bei Vereinigungen werde eher «aargauisch» genommen. Aber auch da gilt: «Man müsste noch mehr Beispiele sammeln.» Dann wird es wissenschaftlich. Eigentlich sei das Wort «Aargauer» bis heute ein Zwitter: Ein Adjektiv, das sich nicht deklinieren lässt und gross geschrieben wird, sei ja schon sehr merkwürdig, doziert der Sprach- forscher. Die Anhängung von «-isch» bei «aargauisch» dürfte gemäss Bigler einfach eine Verdeutlichung sein, umso mehr, als «-isch» ursprünglich die Abstammung oder Herkunft bezeichne.

Schön und gut. Aber wie ist das jetzt mit «Aargauer» und «aargauisch»? Wo liegt der Unterschied? «Ich bin zum Schluss gekommen, dass es im Wesentlichen gar keinen Unterschied gibt», resümiert Sprachforscher Niklaus Bigler.

Blödes Inserat.