Ruth Humbel will nicht Bundesrätin werden. Damit sinken die Chancen, dass der Aargau in der Landesregierung vertreten bleibt. Dabei besteht für den viertgrössten Kanton mit seinen 675'000 Einwohnern durchaus noch Nachholbedarf: Erst viereinhalb der bisher 117 Bundesratsmitglieder waren Aargauer. Der halbe ist Hans Schaffner, Bundesrat von 1961–69: Er hat nie im Aargau gelebt. Ein Bundesrat, eine Bundesrätin, das haben die zwölf Leuthard-Jahre gezeigt, hat für einen Kanton eine enorme Strahlkraft. Ruth Humbel bleibt natürlich trotzdem ein Leuchtturm. Kaum eine andere Politikerin hat einen so klaren Durchblick durch das dornenvolle Gesundheitswesen. In ihrem jüngsten Vorstoss «Prämienmodell Schrittzähler» stecken allerdings Missbrauchs- und Diskriminierungs-Gefahren – doch das ist ein anderes Thema.

Leuchttürme gibt es aber nicht nur in der Politik, sondern zum Beispiel auch in der Forschung. 1988, also vor 30 Jahren, wurden das Eidgenössische Institut für Reaktorforschung (EIR) in Würenlingen und das Schweizerische Institut für Nuklearforschung (SIN) in Villigen zum Paul-Scherrer-Institut (PSI) fusioniert. Die Idee stammte übrigens von der Unternehmensberatungsfirma Hayek. Was in den letzten 30 Jahren aus der ehemals «atomzentrierten» Forschungsstätte geworden ist, gilt international als strahlender Leuchtturm der Forschung.

Aber auch in der Aargauer Kultur strahlen, neben den neun überkantonal bekannten Institutionen, für die der Begriff ursprünglich geprägt worden ist, neue Leuchttürme. Zum Beispiel diese witzige, rotzfreche Sprachakrobatin aus Zeihen: Patti Basler erhält den renommierten Salzburger Stier! Eine tolle Auszeichnung für die ultraschnell denkende und formulierende Slammerin. Auch Pattis Schwester Colette hat es übrigens zu etwas Rechtem (oder Linkem) gebracht: Sie sitzt für die SP im Grossen Rat.

Können Leuchttürme auch unterirdisch strahlen? Wer von Zeihen durch den Jurapark nach Westen fährt, gelangt nach Herznach. Und stösst dort neuerlich auf einen Leuchtturm: Das von 1937–67 betriebene Eisen-Bergwerk wird unter Federführung eines privaten Vereins restauriert. Man stiess dort auf einen 160 Millionen Jahre alten, mit Ammoniten übersäten Meeresboden. Wer die jüngste Liste der vom Swisslos-Fonds unterstützten Institutionen studiert, ist überrascht: An der Spitze steht nicht eine der üblichen Verdächtigen, sondern der «Verein Eisen und Bergwerke». Eine Viertelmillion Franken erhält er vom Kanton. Hier wächst offenbar etwas Einzigartiges heran.