Extrazug oder Limousine, Empfang bei der Kantonsregierung, Fest mit der Bevölkerung im Heimatdorf: Wenn ein Kanton einen Bundesrat stellt, wird dies jeweils gross gefeiert. Das war auch im Aargau nicht anders, als Doris Leuthard im Juni 2006 in die Landesregierung gewählt wurde. Seither führte die Bundesratsreise zweimal in den Aargau, zudem gab es zwei grosse Feiern, als Leuthard jeweils Bundespräsidentin war. Gerne sonnen sich die Kantonal- und Lokalpolitiker dabei im bundesrätlichen Glanz.

Wenn es um Bundesratskandidaten geht, wird neben Geschlecht, Parteizugehörigkeit und Sprachenfrage auch die Vertretung der Kantone diskutiert. Seit der Gründung des Bundesstaates 1848 bis ins Jahr 1999 gab es in der Verfassung sogar eine Kantonsklausel. Diese besagte, dass nicht zwei Bundesräte aus dem gleichen Kanton stammen dürfen. Inzwischen ist die Klausel aufgehoben – und sie ist auch unnötig. Niemand würde behaupten, dass der Kanton Bern bevorteilt wird, weil er mit Simonetta Sommaruga und Johann Schneider-Ammann derzeit zwei Bundesräte stellt.

Für einen Kanton ist es «nice to have», eine Vertretung im Bundesrat zu haben, mehr nicht. Dies zeigt sich bei Doris Leuthard und dem Aargau an zwei konkreten Beispielen. Sie ist als Verkehrsministerin nicht auf die Forderung aus Aarau eingegangen, die A1 rasch auf sechs Spuren auszubauen. Und sie hat als Energieministerin trotz dem Widerstand in ihrem Heimatkanton den Atomausstieg durchgesetzt. Das trägt Leuthard im Aargau zwar Kritik ein, ist aber Teil ihrer Aufgabe, denn Bundesräte sind keine Kantons-, sondern Landesvertreter.