Oh ja, an dieser Stelle haben sich schon viele beklagt darüber, dass in Aarau nichts los ist. Das Clubsterben, das Tanzverbot, mimimi. Und ja, ich gehöre eigentlich auch zu den Leuten, die wollen, dass in Aarau mehr läuft. Ich lebe und arbeite hier und verbringe quasi jedes Wochenende in dieser Stadt. Und es stimmt, manchmal ist es so, als ob man die jungen Leute bereits vertrieben hat. Gut gemacht, ihr Bünzlis.

Aber es gibt auch eine Seite in mir, die es geniesst, genau dieses Aarau. Und davon möchte ich euch erzählen. Es ist ein Aarau, das nicht anonym ist, sondern vertraut, ruhig und irgendwie herzig. Es ist das Aarau, welches ich jeden Morgen auf meinem Weg zur Arbeit erlebe. Ich laufe zwischen drei und vier Uhr morgens los, quasi einmal quer durch die Stadt. Und wenn ihr das Gefühl habt, in Aarau ist am Samstagabend nichts los, dann habt ihr «Aarau By Night» noch nie an einem Montag oder Dienstag um dieselbe Uhrzeit erlebt.

Mein Arbeitsweg sieht in etwa so aus: Ich gehe aus dem Haus, meine Katze springt mir entgegen und ich lasse sie in die Wohnung, gebe ihr Futter, verlasse die Wohnung wieder und los geht’s. Der erste Mensch, den ich antreffe, ist meistens ein Pfleger vom Altersheim nebenan. Er hat Nachtschicht und raucht vor dem Eingang. Ich laufe weiter, ein kleiner Bus steht am Strassenrand, ein Mann verteilt Zeitungen damit. Er grüsst meistens freundlich. Dann höre ich ein seltsames Rollen, es kommt immer näher. Es ist die Frau mit Hund und Rollkoffer, die ebenfalls Zeitungen verteilt. Sie grüsst nie zurück. Manchmal, etwa ein, zwei Mal im Monat, begegne ich auch einem älteren Herrn, der seine Walkingrunde dreht. Um vier Uhr morgens! Er ist immer super gelaunt und wünscht mir einen schönen Tag.

Und dann ist er endlich da, etwa auf der Hälfte meines Weges: der Duft von frisch gebackenem Brot. Hach, ich liebe es. Manchmal sehe ich von weitem auch noch eine weisse Gestalt, es ist der Bäcker, der Zigipause macht.

Als Nächstes joggt eine junge Frau an mir vorbei, jeden Morgen, wow, konsequent! Zum Schluss ein Mann, der das Starbucks-Lager auffüllt – und dann bin ich auch schon angekommen bei Radio Argovia.

Ich kann die Leute, die ich auf meinem Weg zur Arbeit antreffe, an zwei Händen abzählen. Das nenne ich mal eine Stadt, die schläft. Und ganz ehrlich, ich liebe es. Ich finde es schön, Teil dieser Routine zu sein. Aarau ist nicht anonym, man kennt sich, grüsst sich, irgendwann grüsst vielleicht sogar die Zeitungsverteilerin mit Hund.

Klar, Aarau ist keine Grossstadt und man könnte vieles optimieren, was das Nachtleben angeht. Aber unter der Woche liebe ich dieses kleine, einsame Städtchen, und dann bin ich gerne etwas bünzlig und möchte, dass sich nie etwas verändert.
Aarau, bleib so.

Die 23-Jährige Dara Masi ist aufgewachsen in Suhr, wohnt jetzt in Aarau und ist Co-Moderatorin der Morgenshow von Radio Argovia.