Erinnern Sie sich an dieses Datum? Und interessiert es Sie überhaupt noch? Oder denken wir nicht alle lieber: «tempi passati»! Erst zehn Jahre ist es her, und schon so, sooo laaange vorbei: die Banken- und Finanzkrise, die am 9. August 2007 «ausbrach», wobei sich alles schleichend anbahnte, ohne dass es Medien, Politiker oder Behörden erkannten. An diesem Tag schnellten die Zinsen für Interbankenkredite in astronomische Höhen, und die französische Grossbank BNP stellte Dienstleistungen bei mehreren Anlagefonds ein, die keine Liquidität mehr hatten. Hintergrund waren sogenannte «Subprime Loans» in Übersee. In den USA hielt die Zentralbank das Zinsniveau extrem tief. Dies führte dazu, dass sich Menschen in nicht guter finanzieller Situation («Subprime») trotzdem Hypothekardarlehen («Loans») zum Kauf von Immobilien leisten konnten. Diese höchstriskanten Hypotheken wurden ausserdem in Wertpapiere «verpackt», und Banken investierten im grossen Stil in solche Risikoanlagen. Als die Immobilienblase bei den «Subprime Loans» platzte, musste das Kartenhaus zusammenbrechen – was denn auch geschah.

Wir hatten einfach saumässiges Glück

Weltweite Rettungsaktionen folgten, ein internationaler Finanzkollaps drohte. In vielen Ländern wurden Grossbanken vom Staat oder durch andere Grossbanken (unter staatlichem Druck) übernommen und damit gerettet; namhaftes Opfer: Lehman Brothers in den USA ging Konkurs. Die UBS musste ihr Vermögen wegen Wertverlusten um mehrere Dutzend Milliarden abschreiben, und die Eidgenossenschaft rettete diese systemrelevante Bank mittels einer Auffangbank («Bad Bank»), in die riskante Aktiven zur Liquidation ausgelagert wurden. Ein globaler Flächenbrand konnte gerade noch verhindert werden, doch nicht nur, weil Banken und Behörden gute Rettungsarbeit leisteten: Wir hatten einfach saumässiges Glück!

Nationale Lösungen machen in einer globalisierten Finanzbranche wenig Sinn, was richtig erkannt wurde. Gegensteuer wird deshalb heute in internationalen Gremien – etwa dem «Basler Ausschuss» der Bank für Internationalen Finanzausgleich BIZ (Stichwort «Basel III») oder im Financial Stability Board – gegeben. Folgen der Banken- und Finanzkrise 2007 sind ebenfalls in der Schweiz erkennbar, und zwar auf verschiedenen Ebenen. Auf einer ersten Ebene fand (und findet weiterhin) eine emotionale Entfremdung zwischen der Finanzbranche und weiten Bevölkerungsteilen statt; dies stellt wohl das grösste Risiko dar, noch grösser als gesetzliche Eingriffe gegenüber Banken. Dass der damalige Präsident der FDP Schweiz einen Banker öffentlich als «Arschloch» titulierte, illustriert diese Kluft. Ein eigentliches «Banken bashing» wurde zum neuen Politikermantra – und dies gegen eine Wirtschaftsbranche, die in der Schweiz während Jahrzehnten schlechthin die Leitindustrie war, durchaus vergleichbar mit der Autoindustrie in Deutschland. Aber um es klar zu sagen: Es liegt an den Banken, sich das frühere Vertrauen und das gute Image wieder zu erarbeiten!

An die Moral von Banken zu appellieren, ist aussichtslos

Auf einer zweiten Ebene wurde die Politik aktiv, indem Gesetze geschaffen oder geändert wurden. Insbesondere wurde das schweizerische Bankengesetz betreffend die Thematik «Too big to fail» (Systemrelevanz von Grossbanken) grundlegend überarbeitet. Trotzdem reichen die aktuellen Normen nicht aus, deshalb einige Vorschläge zur Revision: Es sollten – erstens – nicht allein Banken, sondern auch Versicherungen als potenziell systemrelevant betrachtet werden, wie dies international unbestritten ist; dass dies in der Schweiz heute anders gehandhabt wird, stellt einen kaum erklärlichen «Swiss Finish» dar. Die Abwicklungsmöglichkeit bei systemrelevanten Banken erscheint – zweitens – schlicht ungenügend. Es ist – drittens – nicht nachvollziehbar, weshalb die Finanzmarktaufsichtsbehörde Finma keine Bussenkompetenz hat (und dies offensichtlich auch nicht will); gemäss «Financial Times» wurden allein in den USA infolge der Banken- und Finanzkrise 2007 gegenüber Banken insgesamt Bussen von mehr als 150 Milliarden Dollar ausgesprochen.

An Moral und Ethik von Banken zu appellieren, erscheint so naiv wie aussichtslos. Und es geht mir auch nicht darum, Banken sozusagen «im Zweifel immer» zu regulieren, ganz im Gegenteil. Doch wenn wir Normen brauchen, sollten diese möglichst wirksam sein. Denn es gibt nur zwei Zukunftsaussagen, die zu 100% eintreffen: Roger Federer wird nochmals Weltnummer 1 im Tennis – und: Die nächste Banken- und Finanzkrise kommt bestimmt.