Aber auch Einführung des Proporzwahlrechts für den Nationalrat. Da kommt einiges an Feiern beziehungsweise Gedenken auf uns zu. Doch nicht nur Hundertjähriges wird uns beschäftigen, sondern auch Fünfzigjähriges.

1968 – das Jahr, das einer ganzen Generation und einer gesellschaftlichen Bewegung ihren Namen gab: die 68er. Auslöser waren der Kampf gegen den Vietnamkrieg und für die Rechte der Schwarzen in den USA oder linke Studentenproteste in Frankreich und Deutschland.

1968, Metapher für einen gesellschaftlichen und kulturellen Epochen-Bruch, Protest der Jugend gegen verklemmte Eltern, das verkrustete Establishment, gegen die Weigerung, die Kriegsgeschichte aufzuarbeiten, gegen den «Muff unter den Talaren». 1968, das hiess auch Beatles, Hippies, freie Liebe, lange Haare.

Ich besuchte 1968 die Kanti in Aarau, ich war 18, im richtigen «68er Alter». Habe ich also flott mitprotestiert? Fehlanzeige! Natürlich, in der Schweiz geht immer alles etwas gemächlicher, Weltverbesserungen (tatsächliche oder vermeintliche) kommen verspätet an.

Aber Aarau – das war vor 50 Jahren besonders kleinbürgerlich, so ziemlich das Gegenteil von frischem Wind und Aufbruch. Wurde im Kleintheater ein gesellschaftskritisches Stück gespielt, pfiffen die Leute, in Baden klatschten sie.

Als sich ein Trommler der Stadtmusik getraute, unter der strammen Uniformmütze lange Haare hervorspriessen zu lassen, war das am Maienzug Stadtgespräch. Wie kann der nur! Die 68er waren in meinem Heimatstädtli eine kleine Minderheit und bei der Mehrheit ein Feindbild. (Heute hat sich das etwas geändert, mitunter hat man das Gefühl, in Baden hockten mehr Kleinbürger als in Aarau...).

Einmal gingen wir Kantischüler 1968 doch noch auf die Strasse, in den letzten August-Tagen. Am 21. hatten Truppen des Warschauerpakts die zarte Pflanze des «Prager Frühlings», also eines «Sozialismus mit menschlichem Antlitz» mit Panzern zermalmt. Wer zur Demonstration aufgerufen hatte, weiss ich nicht mehr.

Was ich indessen noch weiss: Wir zogen durch Aaraus Gassen, schwenkten tschechoslowakische Fähnchen, skandierten «Dubcek! Svoboda!» (Alexander Dubcek war Parteichef, Ludvik Svoboda Staatspräsident) und waren stolz auf diesen Beitrag zur Weltgeschichte. Auch an diese Episode werden wir uns 2018 erinnern.