Montag auf der Redaktion. Beim Wegräumen der Wochenend-Feuilletons fällt mein Blick auf einen Artikel über den russischen Avantgardisten Alexander Rodtschenko (1891–1956). Revolutionär war er in seinen frühen Jahren. Und wie er träumten Künstlerinnen und Künstler in den 1910er-, 1920er-Jahren von einem neuen Zeitalter und einem neuen Menschen.

Nicht nur in Russland. Dort allerdings nur kurz, dann kam der politische Rückschlag. In der Zeitung darunter springt mich die Schlagzeile an «Meine Hymne, mein Land, mein Präsident». Es geht um die Nationalhymne, die Russland patriotisieren und popularisieren will. Pop-Stars sollen helfen. Vielleicht Pussy Riot?

In der Schweiz reden wir ja auch über eine neue Hymne. Über weniger Psalm und mehr... ja mehr von Was eigentlich? Wie war das also in Russland? Bewegt. Zur ersten eigenen «Hymne der Bolschewiken» schrieb 1943 Sergej Michalkow den Text unter der Fuchtel von Stalin, 1977 musste er dann neu dichten: Stalin flog raus.

Und im Jahr 2000 unter Putin machte sich Michalkow wieder ans Umschreiben. So schnell geht das anderswo. «Kommunismus und Lenin wurden gestrichen, dafür hielt Gott Einzug in unsere Hymne», lese ich. Dann sind wir ja in guter Psalmen-Gesellschaft mit unserem «Gott im hehren Vaterland.»

Russland lässt an diesem Montag nicht locker. In der Mailbox blinkt die Meldung «Bedeutung von Schüttgut für den russischen Markt.» Es ist eine Einladung zu einer neuen Messe. Zur Messe? Mit oder ohne Gott? Verzeihung, da ging etwas verschütt.