Geigen-Hippie David Garrett soll es in seiner wilden New Yorker Zeit ebenso getan haben wie sein Kollege Joshua Bell. Und selbst von Startenor Rolando Villazon erzählt man sich die romantischsten Geschichten darüber ... Alle drei standen schon mal in der U-Bahn, musizierten für ein paar achtlos hingeworfene Münzen.

Je nach Stadt ist das gar nicht so einfach. Die Scala der Strassenmusiker, die Metro von Paris, stellt den Musikern hohe Hürden in den Weg. «Voice of Switzerland» zu werden, ist dagegen ein Kinderspiel.

Die Hürden sind verständlich: Rund fünf Millionen Menschen nutzen täglich die 14 Linien der Pariser Metro – 150 Millionen Zuhörer in einem Monat! Diese Menschen sollen für ihre Eintrittskarte, den Fahrschein, auf den Märschen und Irrläufen durch das Metro-Labyrinth nicht noch mehr leiden.

Und so organisiert denn bei anbrechendem Frühling das Verkehrsunternehmen RATP knallharte Castings: Fahrer, Bürokräfte und andere Angestellte der RATP bilden die Jury.

Selbst Musiker, die schon seit Jahren im Metro-Orkus ihr Geld machen, müssen ihre Fähigkeiten alljährlich von neuem beweisen. Von unkündbaren Stellen wie in subventionierten Orchestern können die Asphalt-Paganinis nur träumen.

Sie glauben es nicht? Oder Sie enervierten sich bei Ihrem letzten Paris-Besuch über die Leistung einer Schmalspur-Piaf? Das kann sein.

Die RATP-Jury deswegen zu kritisieren, ihr unsaubere Geschäfte oder Ohren vorzuwerfen, wäre falsch. Neben den 300 zertifizierten RATP-Musikern gibt es nämlich auch eine Vielzahl von Schwarzspielern, die bloss eine Busse bezahlen müssen, falls sie erwischt werden.

Ob Strassenmusik-Star David Garrett mit seinem Spiel bei der RATP-Jury durchkäme? Um auf Nummer sicher zu gehen, müsste er erst mal bei Dieter Bohlen antreten.