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Das intrigante Frauengärtli – oder Geschichte beim SRF ist männlich

Mit «Die Schweizer» lanciert das Schweizer Fernsehen Radio SRF im November eine grosse Kiste über die Schweizer-Geschichte. Über Männer, Männer, Männer – und am Rande heisst es noch hilflos «Cherchez la femme».

Bei amtlichen Texten heisst es: «Es wird die männliche Schreibweise verwendet, Frauen sind mitgemeint». Das ist eine Frechheit gegenüber 50,6 Prozent der Bevölkerung. Noch frecher ist es, wenn das Schweizer Fernsehen und Radio SRF seinen November-Schwerpunkt mit «Die Schweizer» betitelt.

Schaut man sich allerdings das SRF-Programm mit 48 Sendungen an, merkt man: Der Titel stimmt. Es geht in «Die Schweizer» um Männer. Nur um Männer. Das Herzstück sind aufwendige, eigens gedrehte Filme über Werner Stauffacher, Niklaus von Flüe, Hans Waldmann, Henri Dufour, Alfred Escher und Stefano Franscini. Ausgestrahlt werden sie Donnerstagabend zur besten Sendezeit.

Die SRF-Leute müssen gemerkt haben, dass sie in einer Zeit, von der behauptet wird, die Gleichberechtigung sei selbstverständlich geworden, mit ihrer Männersicht Kritik ernten könnten. Schwupps, haben sie neben der Männer-Schweiz ein Frauengärtlein angelegt. Der Titel «Cherchez la femme» offenbart wohl stärker als beabsichtigt das Dilemma der Fernsehleute. Aber immerhin: Mit Frauen-Porträts füllen sie drei Sternstunden. Sternstunden? Das ist die fast unbekannte Sendung am unpopulären Sendeplatz sonntags um zwölf. Die Porträts gelten Schweizer Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts: Sophie
Taeuber-Arp, Corinne Bille, Manon und Alfonsina Storni.

Da haben wir wieder die alte Ordnung: die Männer für die Geschichte und politischen Errungenschaften; die Frauen für das Schöne, für die Kunst und Literatur. Und für die «Landfrauenküche». «Die Schweizer» zementieren alte Klischees, statt sie aufzubrechen.

Stimmt so nicht, höre ich es aus Leutschenbach rufen. Und siehe da, wer sucht, der findet zwei weitere «Sternstunden», in denen über das Problem Frau in der Geschichte diskutiert wird. Die Titel sind selbstredend: «Einflussreich und intrigant – Frauen in der frühen Schweizer Geschichte» heisst die eine, «Wahnsinnig eigensinnig – Frauenleben im jungen Bundesstaat», die andere.

sabine.altorfer@azmedien.ch

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