Eine derart gepfefferte Schelte gab es für die Aargauer Politik schon lange nicht mehr. Bankenjournalist Ermes Gallarotti schrieb in der NZZ vom Mittwoch über den geplanten Lohndeckel bei der Aargauischen Kantonalbank (AKB): «Kommt dieses Anliegen durch, droht der Bank der geschäftliche Niedergang.»

Es stehe «völlig quer in der Landschaft», «entbehre der Weitsicht» und: «Es droht die Gefahr, dass die erfolgreiche Bank ihre besten Köpfe verliert, ohne Not in ihren Entfaltungsmöglichkeiten beschnitten wird und längerfristig gleichsam einer sowjetischen Traktorenfabrik degeneriert.»

Worum geht es? Der Grosse Rat will den Lohn des AKB-Chefs kürzen. Er soll neu maximal das Doppelte eines Regierungsrats erhalten, rund 600 000 Franken inklusive maximalem Bonus.

Diesem Ansinnen steht ein Kompromiss-Vorschlag des Regierungsrats gegenüber: 715 000 Franken. Auch das ist deutlich weniger als heute: CEO Rudolf Dellenbach erhielt im vergangenen Jahr 930 000 Franken (480 000 Franken fix, plus wegen des exzellenten Geschäftsgangs einen Bonus von 450 000 Franken).

Das ist viel Geld, und ein Staatsbetrieb muss mit Löhnen sensibel umgehen. Gleichzeitig zeigt ein Vergleich: Selbst kleinere Kantonalbanken zahlen ihren Chefs deutlich mehr, von privaten Banken ganz zu schweigen.

Sie haben verstanden: Wer die besten Köpfe will, muss Marktpreise zahlen – auch ein Staatsbetrieb, wenn er in Konkurrenz zur Privatwirtschaft steht. Regierungsrat, Polizeikommandant oder Kulturchef kann man nur beim Kanton werden, Bankdirektor vor allem in der Privatwirtschaft.

Mit ein bisschen Glück lässt sich vielleicht sogar ein AKB-Chef finden, der den Job unter Marktwert macht. Damit aber ist das Problem nicht gelöst: Die AKB müsste rund 70 Kadern Änderungskündigungen aussprechen und den Lohn senken, wie die NZZ im selben Artikel enthüllte. Nur so bliebe das Lohngefüge im Lot.

Der Knorz des Grossen Rates mit seiner Kantonalbank

Es hat etwas Schizophrenes, wie die Aargauer Grossräte mit ihrer Bank umgehen. Am Dienstag genehmigten sie die Jahresrechnung, die Fraktionssprecher dankten der AKB überschwänglich für die 80 Millionen Franken, die sie in die Staatskasse abliefert; schliesslich ist sie die einzig übrig gebliebene Milchkuh des Kantons, nachdem die Erträge von Nationalbank und Axpo versiegt sind.

Dieselben Grossräte gefährden nun diesen Erfolg mit ihrer wenig durchdachten Forderung. Ein Fehlentscheid der Bankenführung kann Milliarden kosten; die Kantonalbank von Appenzell Ausserrhoden musste notverkauft, diejenige in Solothurn gerettet werden, der Kanton Bern verlor viel Geld. Wer sich an der Spitze nur die zweite Garnitur leisten will, spart ebenso am falschen Ort wie derjenige, den die drei Franken für Zahnseide reuen und der dann Tausende für Zahnreparaturen ausgeben muss.

Ausgerechnet die SP schwächt die Stellung als Staatsbank

Natürlich wirken Lohnsenkungen populär, und die NZZ ortete hier den Grund, warum alle Parteien Feuer und Flamme sind: «Im Vordergrund steht, so muss man annehmen, nicht das langfristige Gedeihen der Kantonalbank, sondern die Schärfung des eigenen Profils bei den Wählern mit einer ausgeprägten Schwäche für populistisches Brimborium.»

Dazu kommen ideologische Krämpfe: Die SP kämpft seit je gegen echte und vermeintliche Lohnexzesse. Allerdings kämpft die SP ebenso für den Erhalt der AKB in Staatsbesitz. Nun macht ausgerechnet sie sich zur Verbündeten von SVP und rechtem Flügel der FDP, die das Gegenteil wollen.

Denn hier ist bei der Rechten die wahre Motivation zu vermuten: Sie will die AKB privatisieren. Das ist legitim – aber dann bitte direkt. Es ist unredlich, die Bank zu torpedieren, bis sie zum Risiko wird und besser verkauft würde.

Rätselhafter ist das Verhalten der bürgerlichen Mitte. Ist es Populismus? Die Angst, als Abzocker zu gelten? Eine Racheaktion an CEO Dellenbach, der sagt, was er denkt, und deshalb aneckt?

Eine Lohnreduktion kommt am Dienstag so oder so. Die Frage lautet nur noch: Um wie viel? Vielleicht finden sich besonnene Köpfe, die auf die moderate Variante schwenken. In der Politik ist es die grössere Gabe, seine Meinung auch mal zu revidieren, als ein Exempel zu statuieren.