Kommentar

Unschlagbare Milizarmee

Aldo C. Schellenberg ist seit 105 Tagen im Amt als Luftwaffenkommandant

Aldo C. Schellenberg ist seit 105 Tagen im Amt als Luftwaffenkommandant

Das erste Interview mit jemandem, der neu ein hohes Amt bekleidet, ist oft erfrischend. Die Person ist noch nicht verdorben von der PR-Maschinerie, die die Verwaltung und viele Unternehmen beherrscht.

Luftwaffenchef Aldo C. Schellenberg nennt in seinem ersten Interview den Widerspruch, mit dem er konfrontiert ist, beim Namen: dass die Politik der Armee einen Auftrag gibt, aber das nötige Geld dafür nicht spricht.

Eine solche Aussage braucht Mut, denn schliesslich steht die Politik über der Armee. Schellenberg jedoch ist kein gewöhnlicher hoher Militär – er ist seit sehr langer Zeit der erste Milizoffizier, der es nun in eine der drei höchsten Funktionen der Armee gebracht hat. Er selber sagt dazu: «Als Aussenstehender bringe ich eine neue Perspektive ein.» Und wohl eine gewisse Unabhängigkeit, liesse sich anfügen.

Von den 180 000 Armeeangehörigen sind nur rund 3000 Berufssoldaten. Der Bürger in Uniform ist Garant dafür, dass die Armee im Volk verankert ist und dass sie auf einen riesigen Fundus an zivilem Wissen zurückgreifen kann. Dank Miliz hat die Schweiz kein stehendes, unnützes Heer – und im Notfall trotzdem viele Soldaten.

Im November wird über die Wehrpflicht und damit über die heutige Milizarmee abgestimmt. Das ist ernst zu nehmen: Erstens finden viele «Armee ja, aber bitte ohne mich». Zweitens sind die Zeiten vorbei, als eine Militärkarriere automatisch eine zivile Karriere beförderte. Dass nun ein ehemaliger Milizoffizier die Luftwaffe kommandiert, ist ein cleverer Schachzug – falls er den Job gut macht.

Dann demonstriert er die Stärke und das Potenzial einer Milizarmee.

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