Was der schwedische Botschafter Per Thöresson bietet, übertrifft jede Komödie. Erneut sind diese Woche vertrauliche Depeschen an die Öffentlichkeit geleckt: Darin lästert er über Schweizer Politiker, rühmt sich selber, wie er Gripen-Kritiker auf Kurs gebracht habe, schildert, wie eng er das Schweizer Verteidigungsdepartement lenkt. Endlich hat auch Schweden eingesehen, dass ein solcher Botschafter nicht mehr tragbar ist, und zieht ihn ab - was aber «nichts mit den Schlagzeilen zu tun» habe, wie Schweden hochoffiziell versichert. Wers glaubt, ist selber schuld.

Von Thöressons Lästereien mag man halten, was man will - in einem Punkt trifft er den Nagel auf den Kopf. Er schreibt: Ueli Maurer sei «das grösste Risiko für den Gripen». Zwar engagiert sich Maurer persönlich stark für den Gripen, doch er lässt dabei tatsächlich keinen Fettnapf aus. Offenbar nahm Schweden doch mehr Einfluss auf den politischen Prozess in der Schweiz, als stets beteuert wurde - ein Vorgehen, das manchen Stimmbürger misstrauisch machen dürfte. Dann gab es Maurers pikierte Reaktion in der «Rundschau» und sein Spruch über die Frauen: «Wie viele Gebrauchtgegenstände, die 30 Jahre alt sind, haben Sie noch zuhause? - Bei uns sind das nicht mehr viele, ausser natürlich die Frau, die den Haushalt schmeisst.» Das ist keine Staatsaffäre - aber die Stimmen der Frauen holt man damit nicht.

Was sind die Bedrohungsszenarien für die Schweiz? Was die Strategien der Armee? Kann und will die Schweiz stärker international kooperieren? Braucht die Schweiz unter all diesen Gesichtspunkten neue Kampfjets? Und falls ja: den Gripen? Das wären die wichtigen Fragen - doch die gehen leider völlig unter.

Der zweite Bundesrat, der derzeit aufhorchen lässt, heisst Didier Burkhalter. Er aber verblüfft mit geschicktem Agieren. Und das, obwohl er eine schier unlösbare Aufgabe hat: Burkhalter ist ein Jahr lang Vorsitzender der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und steht wegen der Ukraine-Krise plötzlich im Fokus der Weltöffentlichkeit. Der Schweizer Aussenminister hängt am Telefon mit Wladimir Putin und Angela Merkel, er gehört jetzt plötzlich zum Kreis jener, die Weltpolitik betreiben. Er erfüllt seine Aufgabe souverän, seine Amtsführung wird von allen Seiten gelobt.

Das erstaunt deshalb, weil Burkhalter einige Startschwierigkeiten hatte. Der az-Wochenkommentar vom 1. Dezember 2012 trug den Titel: «Didier wer?» und kritisierte, Burkhalter versäume es, seine Aussenpolitik der Schweizer Bevölkerung zu erklären. Sogar die «Süddeutsche Zeitung» frotzelte damals, Burkhalter «mute noch mausgrauer an als seine Kollegen».

Die Zeiten ändern sich. Burkhalter ist in seinem Amt gewachsen wie wenig andere Bundesräte vor ihm. Seine besonnene und bescheidene Art wird offenbar im Ausland geschätzt, und auch im Inland mutiert er allmählich zum Polit-Star: An der Landsgemeinde in Appenzell am Sonntag jedenfalls wurde er mit begeistertem Szenenapplaus begrüsst.

Dass Maurer vor ein paar Wochen ausgerechnet Burkhalter in einem «Weltwoche»-Interview massiv an den Karren fuhr und sich dafür entschuldigen musste, ist eine Pikanterie am Rande. Exemplarisch jedoch ist dies: Wie sich jemand in einem Amt bewährt, wie jemand eine Aufgabe meistert, lässt sich kaum vorhersagen. Da gibt es sehr oft Überraschungen. Und zwar in beide Richtungen.