Auch Politiker haben das Recht auf Privatsphäre; was sie in ihrer Freizeit tun, ist ihre Sache – auch wenn es Dinge sind, über die ihre Wählerinnen und Wähler staunen würden, wenn sie davon wüssten. Entscheidend ist, wie Politiker ihr Amt ausführen.

Sobald jedoch Privates und Amtliches ineinander fliessen, sieht die Sache anders aus. Sobald ein strafrechtlich relevanter Akt vorliegt, sowieso.

Gegen Geri Müller liegen drei Vorwürfe in der Luft:

  • Erstens: Er hat in seinem Badener Stadtammann-Büro Nackt-Fotos von sich geschossen und verschickt.
  • Zweitens: Er hat eine junge Frau bedrängt, ihm ihr Handy mit diesen Bildern auszuhändigen.
  • Drittens: Er hat die Polizei losschicken lassen, damit ihr Handy beschlagnahmt werde.

Müller sagt nun: «Bei diesem Kontakt handelte es sich um eine rein private Angelegenheit.» So geht das natürlich nicht. Dazu ist Müller zu sehr Person des öffentlichen Lebens, an deren Integrität besonders hohe Ansprüche gestellt werden. Und dazu hat Müller Privates und Amtliches schon viel zu sehr vermischt – durch die Nackt-Fotos in seinem Büro, deren Existenz unbestritten ist, aber auch durch die anzüglichen Bemerkungen im Chat über seine Sekretärin, die nun unverschuldet in den Skandal mit hineingezogen wird.

Die Parteien verlangen jetzt, Müller müsse Klarheit schaffen. Es würde von Charakter zeugen, wenn er dies täte.

Jedoch: Wer will schon einen Stadtammann, der sein Amtsbüro dazu nutzt, sich nackt zu fotografieren, um damit eine Frau zu beeindrucken?

Selbst wenn das allein keine Staatsaffäre ist – die Autorität ist dahin. Man kann sich denken, welche Sprüche im Stadthaus kursieren; was sich Abteilungsleiter denken, wenn sie zu einer Sitzung in Müllers Büro erscheinen.

Die Sache ist wohl nicht mehr zu retten. Bloss merkt das meistens jene Person als Letztes, die es direkt betrifft.

Nackt-Selfie-Affäre um Geri Müller

Nackt-Selfie-Affäre um Geri Müller