Wochenkommentar

Die anderen beneiden uns um das WEF

WEF 2013

WEF 2013

Morgen geht das 43. WEF zu Ende. Die Teilnehmer fliegen in alle Welt zurück, der Stacheldraht wird eingerollt und alle stellen sich die alljährlich wiederkehrende Frage: Was bleibt?

Das Forum selbst hält sich für sehr wichtig - WEF-Gründer Klaus Schwab: «Davos ändert den Lauf der Welt.» Kritiker orten eine Weltverschwörung - Juso: «Erzneobliberale, selbsternannte Weltenlenker.» Wieder andere sehen die Bedeutung schwinden - die britsche Zeitung «The Observer»: «Davos ist intellektuell bankrott.»

Die Wahrheit ist simpler: Das WEF ist ein Treffpunkt für globale Entscheidungsträger. Alle sind da, und so kann man innert wenigen Tagen Termine wahrnehmen, für die man sonst ein paar Mal um die Welt fliegen müsste. Ein grosses Klassentreffen quasi. Das ist keine Verschwörung, es verbessert die Welt aber auch noch nicht.

Das WEF 2013: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der britische Premier David Cameron lieferen sich eine Rededuell, der russische Premier Dmitri Medwedew disktutiert öffentlich mit Ökonomen über die Lage seines Landes, IWF-Chefin Christine Lagarde berichtet, was gegen die Schuldenkrise zu tun sei, es gibt hochkarätige Podien über die Zukunft Syriens, die Folgen des arabischen Frühlings, den Machtwechsel in China - und Bundespräsident Ueli Maurer hat das wohl hochkarätigste Publikum seiner ganzen Amtszeit vor sich, als er in seiner pfiffigen Eröffnungsede die Machtallüren der Grossmächte anprangert.

Davos ist immer auch ein Stimmungsmesser. Bei allen Problemen wirken die Entscheidungsträger derzeit ziemlich entspannt und optimistisch - im Gegensatz zu früheren Jahren, als etwa die USA gerade in den Irak-Krieg zogen oder das Finanzsystem vor dem Abgrund stand.

Die öffentliche Aufregung um die Grossveranstaltung hat sich gelegt, Massenproteste bleiben aus. Zum Glück: Erstens ist es besser ist, wenn sich Entscheidungsträger treffen, als wenn sie nicht miteinander reden. Zweitens ist es besser für unser Land, wenn das WEF bei uns stattfindet als anderswo - trotz Sicherheitskosten. Die Schweiz profiliert sich so als Gastgeberin für eine der hochkarätigsten Konferenzen der Welt. Und unsere Bundesräte können ausländische Minister zu Dutzenden treffen.

Dazu kommt: Das Treffen in Davos ist nur ein kleiner Teil des WEF. Es hat sich an seinem Hauptsitz bei Genf zu einer Jobmaschine entwickelt. Es beschäftigt mehr als 600 Angestellte für unzählige Projekte, die fernab von Davos die Welt tatsächlich verbessern. Jedes andere Land würde das WEF sofort nehmen. Mit Handkuss und staatlicher Unterstützung.

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