Landwirtschaft 2.0

Was der Kanton nicht kennt, erlaubt er nicht

Renato Gsell (links) und Stefan Süess schütten ihre 9000 Zander zuberweise ins Zuchtbecken im Dintiker Industriegebiet.

Renato Gsell (links) und Stefan Süess schütten ihre 9000 Zander zuberweise ins Zuchtbecken im Dintiker Industriegebiet.

Innovativ sollen sie sein, die Bauern; dann können sie mit dem Wandel der Zeit gehen und haben eine Zukunft – das heisst es. Doch die Politik hinkt hinterher. Neue Ideen werden oft mit starrer Paragraphentreue abgewürgt. Der Kommentar.

Sie sollten weniger jammern und mehr nach Alternativen suchen. Wer heute auf dem Markt bestehen wolle, könne nicht einfach am Althergebrachten festhalten. Er müsse unternehmerisch denken und innovativ sein, wird dem Bauern immer und immer wieder vorgehalten. 

Sinnlose Predigten – unsere Bauern sind schon lange innovativ, denken unternehmerisch und suchen nach Alternativen, um finanziell überleben zu können. Sie würden dabei auch noch so gerne auf Direktzahlungen verzichten, wenn man sie für ihre Arbeit auf anderen Wegen endlich (markt-)gerecht bezahlen würde.

Und, wenn man ihnen bei der Umsetzung ihrer vielen guten Ideen nicht dauernd Paragrafen-Knüppel zwischen die Beine werfen würde. Stefan Süess in Dintikon ist nur ein Beispiel dafür, wie eng die Gesetze im Kanton Aargau oft ausgelegt werden. Was seine Kollegen im Kanton Luzern – wo die Regierung in solchen Dingen etwas grosszügiger denkt – dürfen, das darf er nicht. Er wollte auf seinem Hof Fische züchten und zu guten Preisen verkaufen statt Kühe melken und die Milch halbwegs verschenken. Der Kanton hats nicht erlaubt.

Jetzt entwickeln sich im ehemaligen Kuhstall die Spinnweben und Süess züchtet seine Fische im Industriegebiet. Logisch hat sich der Kanton an die geltenden Gesetze gehalten und streng nach Paragrafenrecht gehandelt. Doch: Einst hiess es: «Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.» Heute darf man frotzeln: «Was der Kanton nicht kennt, bewilligt er nicht.»

18.11.2015: Fisch, frisch vom Bauernhof

Der Klingnauer Bernhard Kaufmann hat eine Marktlücke entdeckt. Der Erfinder der Fischzucht würde gern Bauern überzeugen, es ihm gleichzutun. (19.11.2015)

Bernhard Kaufmann: «Fisch ist eine Alternative in der Landwirtschaft» (19.11.2015)

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Bernhard Kaufmann hat eine Marktlücke entdeckt. Der Klingnauer züchtet in seinem Betrieb Fische und erklärt, dass dies Sinn macht - auch weil beim Fisch in der Schweiz 96 Prozent importiert werden.

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