Derzeit läuft im Aargau eine Kampagne, die Firmen dazu ermuntern soll, über 50-jährige Mitarbeiter einzustellen. Die ersten Erfahrungen sind positiv, der Grundsatz, dass für eine Stellenbesetzung nicht das Alter, sondern die Qualifikation entscheidend sein soll, leuchtet auch ein. Dennoch würde wohl kaum eine Firma einen 72-Jährigen anstellen, schliesslich hat der Gesetzgeber das Rentenalter auf 65 festgelegt.

Der Nationalrat ist zwar keine Firma und für Politiker gibt es kein Pensionsalter – dennoch wirft die Kandidatur von Maximilian Reimann einige Fragen auf. Ist es richtig, dass die SVP einen 72-Jährigen nominiert, nur um bei der Rentnergeneration möglichst viele Stimmen zu holen? Soll ein Politiker, der sein Programm praktisch auf die Vertretung der Seniorenanliegen reduziert, nochmals vier Jahre lang in Bern sitzen? Und steht der Polit-Dinosaurier, wie ihn böse Zungen nennen, nicht den jüngeren Kräften in der SVP vor der Sonne, die deshalb kaum eine Wahlchance haben?

Tatsächlich stehen auf den ersten Listenplätzen durchwegs erfahrene, ältere Politiker. Mit dem Nein zum Antrag, Reimann zu streichen und durch einen jüngeren Kandidaten zu ersetzen, hat der SVP-Parteitag eine erste Entscheidung getroffen. Ob diese endgültig ist, wird sich erst am 18. Oktober zeigen. Denn auch die Wähler können Kandidaten streichen, doppelt aufführen oder durch andere ersetzen. Dies gilt auch für die SVP-Liste, die nicht nur langjährige, bekannte Amtsträger, sondern auch drei junge Frauen im Alter von 28, 30 und 37 Jahren enthält.