Auch für uns, die «Generation Y», sind die Weihnachtsferien eine Zeit der Fest- und Feiertage. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Denn während keiner anderen Zeit des Jahres wird so viel gefestet und gefeiert wie während dieser zwei Ferienwochen: Schulabschluss-Partys, Christmas-Partys, Silvester-Partys, Après-Ski-Partys.

Natürlich geht es dabei nicht um Besinnlichkeit und Harmonie, sondern um Euphorie und Ekstase. Für mich begannen die Festtage bereits am vergangenen Samstag. Im Boiler Club Aarau fand die dritte Ausgabe von «PULSE» statt – eine sympathische und familiäre Aargauer Partyreihe. Dort war ich aber nicht als Gast, sondern als Fotograf.

Es ist die erste «Weihnachtsfeier» dieses Jahres. Nicht mit der Familie – nicht im klassischen Rahmen. Die drei heiligen Gaben sind an diesem Abend nicht Gold, Weihrauch und Myrrhe, sondern Zitrone, Salz und Tequila. Trinksprüche ersetzen das «Vater Unser». Anstelle von himmlischem Glockenspiel ertönen elektronische Bässe. Und auch bei den Engelsstimmen setzt man komplett auf Auto-Tune. Zumindest verbreitet der Weihnachtsbaum in der hintersten Ecke des Clubs ein wenig feierliche Stimmung. Auch wenn er aus Plastik ist.

Um elf Uhr ist die Türöffnung – um halb zwölf kommen die ersten Gäste. Der Club wird überschwemmt von Whiskey, Wodka und Passoa. Ich selbst bin ein nüchterner Fels in der Brandung. Anders als meine Kollegen habe ich in meiner Hand keinen überteuerten Drink, sondern eine überteuerte Kamera. Fast alle Partygäste wollen ein Foto. Mit dem sympathischen Typen, der neben einem an der Bar stand – mit der hübschen Frau, die am nächsten Morgen neben einem aufwachen soll.

Je jünger die Partygäste, desto gefragter der Fotograf. Ich bin zuständig für das Erinnerungsalbum der Feier. Es sind Andenken an eine unvergessliche Nacht, die man selbst vielleicht nur noch schemenhaft in Erinnerung hat. Und es ist die einzige Möglichkeit, um an einer Party auch von Leuten gesehen zu werden, die selbst gar nicht da waren.

Um halb zwei wird ein Electro-Remix von «Jingle Bells» gespielt. Kurz danach breche ich auf. Mit dem Christkind, der Adventszeit oder dem Heiligen Geist hat eine solche Festtags-Nacht natürlich nichts zu tun. Biblisch wird es dafür wieder am späten Sonntagnachmittag. Dann nämlich kommt es nach der anstrengenden Nacht zur kollektiven Wiederauferstehung.

Patrick Züst (18) ist freier Mitarbeiter der Aargauer Zeitung und absolviert derzeit sein letztes Schuljahr an der Kantonsschule Wohlen.

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