Vor einer Woche hat der Nachrichtendienst des Bundes die neuen Zahlen der sogenannten «Dschihadreisenden» veröffentlicht. Allein im Dezember haben sich demnach acht Personen aus der Schweiz in Syrien und Irak dem Kampf von islamistischen Extremisten angeschlossen. Dass die Zahl der Dschihadisten aus der Schweiz steigt, ist beunruhigend. Doch die Statistik zeigt auch, dass es dem Nachrichtendienst des Bundes gelingt, die ausreisenden Gotteskrieger zu identifizieren – sonst wäre es unmöglich, genaue Zahlen anzugeben.

Offen bleibt indes die Frage, wie gross die Dunkelziffer ist: Wie viele junge Muslime reisen heimlich in den Nahen Osten? Wie viele radikale, gewaltbereite Islamisten leben unerkannt im Aargau und in der Schweiz? Um dies herauszufinden und die Bevölkerung vor möglichen Terrorakten zu schützen, sind die Nachrichtendienste im Einsatz. Dass ein grosser Teil ihrer Arbeit im Geheimen passiert, versteht sich von selbst. Deshalb ist es nachvollziehbar, wenn der islamische Zentralrat die Methoden der Staatsschützer hinterfragt.

Natürlich wäre es nun falsch, alle Muslime in der Schweiz unter Generalverdacht zu stellen. Bei weitem nicht jeder, der oft in der Moschee betet oder einen langen Bart trägt, ist ein potenzieller IS-Kämpfer oder Terrorist. Um diese zu identifizieren, braucht der Staatsschutz aber wirkungsvolle Mittel. Ein freiwilliges Präventionsgespräch mag für einige Muslime vielleicht unangenehm sein, doch es ist nötig. Und wer seinen Glauben friedlich lebt, hat ausser ein paar kritischen Fragen nichts zu befürchten.