Dass die Tipps zahlreichen Badener Eltern in den falschen Hals geraten sind und derzeit für Gesprächsstoff sorgen, ist daher verständlich. Und: Wenn ein Merkblatt aus dem Kanton Zürich übernommen wird, sollte auch in Erfahrung gebracht werden, dass dieses derzeit überarbeitet wird. Denn in der Zwischenzeit haben die Zürcher «Kriterium» durch «Empfehlung» ersetzt. Zudem befremdet es, dass eine Aargauer Schule Kriterien aus dem Nachbarkanton übernimmt, ohne diese mit dem Bildungsdepartement abzusprechen.

Offenbar ist ein solches Merkblatt als Hilfestellung für die Eltern notwendig. Denn laut der Badener Schulleitung sind zahlreiche Kinder schlichtweg noch nicht reif für den Kindergarten. Dass Kinder nicht längere Zeit ruhig sitzen können, liegt in deren Natur. Das Hauptproblem ist ein anderes: Eine Vielzahl der vierjährigen Kinder wird von ihren Eltern noch mit Windeln ausgerüstet in den Kindergarten geschickt. Es kann doch nicht sein, dass Lehrpersonen diese auch noch wechseln und die betroffenen Kinder sich dem Gespött ihrer «Gspänli» aussetzen müssen. Es ist durchaus möglich, ein Kind spätestens mit vier Jahren an das WC zu gewöhnen – sofern keine psychischen oder andere Probleme vorliegen. Generell dürfen Eltern ihren Kindern ruhig etwas mehr zutrauen. Damit helfen sie ihren kleinen Prinzessinnen und Prinzen: Auf den Thron zu steigen, ist doch angenehmer, als in der Windel sitzen zu bleiben.