Wie oft bin ich schon mit dem leicht verspäteten Zug aus der Provinz im Umsteigebahnhof angekommen, eiligst aus dem Regionalzug zum bereits wartenden Schnellzug gestürmt, habe nebenbei die Durchsage mitbekommen « … wartet auf Gleis 3. Bitte rasch umsteigen»; erreichte den wartenden Zug, liess mich in ein Abteil sinken, und schon fuhr der Zug. Ich fühlte mich gut und ein bisschen wichtig auch, weil der ganze Schnellzug mit allen Passagieren nur auf mich und ein paar weitere Fahrgäste aus der Provinz gewartet hatte. Vielleicht dachte ich auch: Schön, wenn es selbstverständlich ist, dass manchmal viele auf wenige warten.

Wie oft schon sass ich im Schnellzug, und wartete mit den andern Passagieren auf den Anschlusszug aus der Provinz. Ungeduldig, das schon, aber bei den SBB galt halt das Prinzip, dass die Züge aufeinander warten, wer mit dem Zug fuhr, gab unausgesprochen auch das Einverständnis zu dieser Solidarität. Ich bilde mir ein, die mit Verspätung und oft ausser Atem in den wartenden Zug eilenden Passagiere hätten erleichtert ausgesehen, ja fast schien es, sie seien uns, den Wartenden sogar ein wenig dankbar, dass wir gewartet hatten. Und ab und zu kamen wir so ins Gespräch.

Das alles hat jetzt ein Ende. Die SBB warten künftig verspätete Anschlüsse nicht mehr ab. Die SBB haben keine Zeit mehr zum Warten. Die Pünktlichkeitsquote muss verbessert werden. Dass dabei die unausgesprochene Solidarität, die im Ausdruck «einen Zug abwarten» steckt, auf der Strecke bleibt, darf die SBB nicht weiter kümmern. Wer erfolgreich sein will, muss Prioritäten setzen und darf keine Zeit vergeuden mit Nachzüglern aus der Provinz.

Die neu gewählte Bündner Nationalrätin aus Zürich würde dazu wohl nur dies sagen: «Mr. Meier, you are a dreamer.»