Meiereien

Mit Heintje geschah mit meiner Mutter das Wunder

Heintje mit seinem grössten Hit

Heintje mit seinem grössten Hit

Zum 60. Geburtstag veröffentlicht Hein "Heintje" Simons ein neues Album.

Jörg Meier schreibt in seinen Meiereien über seine betagte Mutter, die sich längst in ihre innere Welt verabschiedet hat. Doch mit den vorgespielten Heintje-Liedern geschah das kleine Wunder.

Das Kind, das ich damals war, fand die Lieder von Heintje schön. So schön, dass ihm beim Zuhören schon mal die Tränen kamen. Aber das hätte es niemals zugegeben. Denn alle anderen fanden Heintje doof. Das war Bubizeugs, was der sang, genau richtig für Mütter und alte Leute. Das Kind liess sich überzeugen, vergass Heintje und wurde mit der Zeit erwachsen.

Meine betagte Mutter hat sich in ihre eigene, innere Welt verabschiedet, zu der wir keinen Zugang mehr haben. Als ich sie kürzlich im Heim besucht habe, lag auf dem Tisch eine CD mit den Hits von Heintje. Ich nahm die CD und spielte sie ab. Da geschah das kleine Wunder. Schon nach wenigen glockenhellen Heintje-Tönen – «Ich bau dir ein Schloss» – wurde die alte Frau ganz aufmerksam, so, als sei die Musik bis in ihre Welt gedrungen und habe sie dort erreicht. Was sie hörte, schien ihr zu gefallen. Dann begann sie, die schon lange nicht mehr reden kann, zu singen – «da wohn’ ich mit dir, dann ganz allein». Und sie sah recht zufrieden aus.

Die alte Mutter und das erwachsene Kind hören sich weitere Heintje-Lieder an; und sie singen gemeinsam mit. Dann hat die alte Mutter genug gesungen, hat genug von Heintje und vielleicht auch vom erwachsenen Kind; sie entrückt abschiedslos in ihre innere Welt.

Vorhin habe ich gelesen, dass Heintje seinen 60. Geburtstag feiert. Daneben ein aktuelles Foto: Aus dem Bub ist ein älterer Herr geworden. Wahrscheinlich mit Gewichtsproblemen. 50 Jahre nach unserer ersten Begegnung hat sein Bubizeugs von damals meine Mutter erreicht und mich ein zweites Mal bewegt.

Heidschi bumbeidschi bumbum!

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