Alfred Loosli aus Ueken ist ein ehrlicher Mensch. Im September fand er in der Erde unter seinen Kirschbäumen 19 Münzen. Loosli hätte nun auf eigene Faust graben können. Oder zumindest die Münzen, die mit Grünspan überzogen, aber sonst unversehrt waren, einfach einstecken und für sich behalten können. Niemand hätte davon erfahren. Doch das tat der 82-jährige Alfred Loosli nicht. Sondern er meldete seinen Fund.

Die Archäologen kamen, gruben und fanden einen beträchtlichen Schatz: 4166 Münzen von erheblichem Wert aus der Römerzeit, Gesamtgewicht rund 15 Kilogramm. Der Schatz gehört dem Staat. So will es das Gesetz. Für Loosli bleibt nichts. Immerhin: Der entstandene Landschaden wird ihm vergütet.

Der Schatz im Chriesigrund lässt uns nicht kalt. Denn er stellt unangenehme Fragen. Zum Beispiel diese: Wenn ich in meinem Garten ein Schatz finden täte, würde ich ihn Loosli-like melden? Ehrlich gesagt: Ich bin mir da nicht so sicher. Und wenn andere Leute ähnlich unsicher sind, wie ich es bin – ja dann gibt es womöglich noch viele gefundene Schätze, die heimlich gehoben worden sind? Oder noch immer versteckt unter der Erde liegen? Soll ich mir auf Weihnachten doch einen Metalldetektor wünschen?

Sensationeller Münzenfund bei der Kirschernte

Und wenn wir den Blick verantwortungsvoll in die Zukunft werfen: Sollten wir unseren Nachfahren zuliebe nicht auch den einen oder andern Schatz jetzt vergraben? Es wäre doch schön, wenn wir den Nachgeborenen nicht nur Atomendlager in der Tiefe hinterlassen täten, sondern auch den einen oder andern richtigen Schatz in der Erde.

Wie dem auch sei. Wie man hört, gibt es im Fricktal seit einigen Tagen eine neue Redewendung: «Ehrlich wie Loosli».

Tausende antike Münzen: Einer der grössten römischen Schätze der Schweiz im Kanton Aargau gefunden